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Beate Zschäpe – gnadenlose Killerin oder nur Unterstützerin des NSU?

Beate Tschäpe, Killerin des NSU

© Screenshot aus dem Video "Die Nazi Braut - Das Geheimnis der Beate Zschäpe"

Beate Zschäpe gibt Rätsel auf. Niemand weiß bis heute, ob Zschäpe nur unterstützend tätig war, oder ob sie sich aktiv an den Morden des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) beteiligte. Ihr Verhalten und ihre eiskalte Ausstrahlung legen nahe, dass sie auch für den NSU getötet hat.

Seit dem 8. November 2011 befindet sich Zschäpe in Untersuchungshaft und führt seitdem Richter und Staatsanwalt regelmäßig vor. Der Prozess gegen Beate Zschäpe läuft mittlerweile seit dem 6. Mai 2013, der heutige Montag war der 219. Verhandlungstag. Heute beantragten die Stammverteidiger Zschäpes, Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm, ihre Mandate niederzulegen. Sie sehen das Vertrauensverhältnis als gestört an. Das Gericht lehnte die Niederlegung der Mandate ab, da die Begründung als nicht ausreichend erschien. Die Folgen der Entpflichtung der Anwälte wären verheerend gewesen. Beate Zschäpe wäre freigekommen und der NSU-Prozess hätte von vorne beginnen müssen.

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Die angebliche Rolle der Angeklagten

Selten sah man eine Frau, die so eiskalt rüberkommt wie Beate Zschäpe. Keinerlei Regung, keinerlei Bedauern oder gar Reue sind ihr anzumerken. Vorgeworfen wird der Angeklagten bisher nur, die Aufgabe gehabt zu haben, der terroristischen Vereinigung den Anschein von Legalität und Normalität zu geben. Dies geschah durch den Aufbau einer „unauffälligen Fassade“ und der Anmietung von Wohnraum an den jeweiligen „Einsatzorten“. Zudem sei sie „maßgeblich für die Logistik der Gruppe verantwortlich“ gewesen. So habe sie das Geld aus den Raubüberfällen verwaltet und mehrfach Wohnmobile angemietet, darunter ein Tatfahrzeug, so die Bundesanwaltschaft in der 500-seitigen Anklageschrift.

Zschäpe liebte Kinderpornos

Weiterhin wird Zschäpe vorgeworfen, die Wohnung in Zwickau in Brand gesetzt zu haben und dadurch das Leben einer Nachbarin und zweier Handwerker gefährdet zu haben. Die Polizei hatte Benzinspuren auf Zschäpes Socken sichergestellt. Zudem wurde kinderpornografisches Material auf ihrem Computer entdeckt. Dieses Verfahren wurde jedoch wieder eingestellt, da die Strafe für dieses Vergehen im Vergleich zu den anderen Vorwürfen nicht ins Gewicht fallen würde.

Beate Zschäpe: Eine Frau radikalisiert sich

Ihr Werdegang liest sich wie jeder Werdegang eines jeden Verlierers dieser Gesellschaft. Arbeitslos statt Ausbildung. Obwohl sie eine Ausbildung als Gärtnerin, Fachrichtung Gemüsebau absolvierte und mit der Note „Befriedigend“ bestand, arbeitete Zschäpe niemals in diesem Beruf. Die ihr vermittelten ABM-Stellen schmiss sie schnell wieder hin.

Kurze Zeit später verkehrte Zschäpe dann auch schon mit den stadtbekannten Neonazi-Größen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Mit beiden hat sie eine Beziehung geführt, zuerst mit Mundlos, danach gleich mit Böhnhardt. Unter dem Einfluss ihrer beiden Freunde glitt sie immer mehr in das rechte Milieu ab. Für Verlierer dieser Gesellschaft haben grundsätzlich immer andere an der eigenen Misere schuld. Für die braune Brut Deutschlands sind grundsätzlich alle Ausländer schuld und darum hassenswert. Egal woher ein „Ausländer“ kommt und was er tut, er wird gehasst, getreten und am Liebsten getötet. Diese Menschen wünschen sich ein viertes Reich, in dem es keinerlei Ausländer geben wird. Dieses Gedankengut kommt hauptsächlich noch im Osten Deutschlands vor.

Video: Flüchtlingshass und Hilfsbereitschaft. Der Osten hasst, der Westen hilft.

Ab August 1995 besuchte sie zusammen mit Mundlos ein Treffen der Anti-Antifa Ostthüringen. Im Anschluss war sie immer öfter auf rechtsradikalen Treffen und Konzerten zu finden. Obwohl der Thüringer Verfassungsschutz die Dreier-Bande bereits seit 1995 beobachtete, wurden nähere Untersuchungen oder gar Observationen unterlassen. Nur deswegen ist die spätere Mord-Serie überhaupt möglich geworden. Der Thüringer Verfassungsschutz versagte in der Angelegenheit NSU kläglich. Besonders natürlich auch vor dem Hintergrund, dass Jenaer Neonazis mit Sprengstoff- und Briefbombenattrappen bereits 1996 und 1997 auf sich aufmerksam machten.

Das militante Trio zählte schnell zu den Verdächtigen und blieb unter Beobachtung. Anfang 1998 entdeckte die Polizei in einer von Zschäpe angemieteten Garage vier funktionsfähige Rohrbomben und 1,4 Kilogramm Sprengstoff. Zudem stellten Ermittler eine Diskette sicher, deren Text sich wie die Ankündigung der späteren Verbrechen liest. Wörtlich heißt es: „ALIDRECKSAU WIR HASSEN DICH“. Einem „Türkenschwein“ müsse man das „Gesicht zertreten“.

Man fragt sich Anhand dieser Tatsachen recht rasch, wie dem Verfassungsschutz das Trio wieder entgleiten konnte. Die Gewaltdrohung, der Sprengstoff, das gespenstische Weltbild des Trios – einen noch deutlicheren Wink mit einem Zaunpfahl hätte es kaum geben können.

Der erste Mord und das Ende

Im Herbst 2000 half auch der Wink mit einem ganzen Zaun nichts mehr. Der Verfassungsschutz versagte kläglich. Der erste Mord an einem türkischen Einwanderer hätte reichen müssen, um das Jenaer Trio in den Kreis der Verdächtigen aufzunehmen. Zumal der Verfassungsschutz laut Aktenlage wusste, dass sich Zschäpe und Konsorten mit Waffen eingedeckt hatten. Doch selbst nach dem neunten Mord 2006 hatte niemand die radikalen Thüringer auf der Rechnung.

Ein Banküberfall wurde dem Trio letztendlich zum Verhängnis. Ein aufmerksamer Zeuge sah wie Mundlos und Böhnhardt Fahrräder in ein Wohnmobil schmissen und benachrichtigte die Polizei. Als diese das Wohnmobil fand, hatten sich die beiden Täter bereits mutmaßlich selbst getötet. Die bisherigen Ermittlungen jedenfalls gehen von einem Suizid der beiden Männer aus. Denkbar wäre jedoch auch, dass Beate Zschäpe beide tötete, um sich lästiger Zeugen zu erledigen und im Zuge einer Verurteilung ein geringeres Strafmaß zu bekommen.

Zu dieser Theorie würde auch wunderbar die Tatsache passen, dass Zschäpe die Zwickauer Wohnung des Trios abbrannte, um eventuelle Beweise zu vernichten.

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War Beate Zschäpe nur Logistikerin des NSU, oder doch eine eiskalte Killerin?

Die Rolle von Beate Zschäpe sollte bedeutend eingehender diskutiert werden. Bei der Betrachtung der Morde sollte auch in die Richtung ermittelt werden, dass Zschäpe eben nicht nur die Logistikerin des Trios war, sondern sich aktiv an den Morden beteiligte. Ihr ganzes Auftreten legt nahe, dass Zschäpe mehr war als nur eine reine Logistikerin. Niemand, der nur die Aufgabe der Anmietung von Wohnraum und der Aufrechterhaltung des Anscheins von Normalität und Legalität hat, wird so eiskalt, so berechnend und gefühllos wirken.

Sie könnte auch eine Mörderin sein und mehreren türkischen Männern eiskalt das Leben genommen haben. Frauen haben bei Straftaten in der Neonazi-Szene bereits einen Anteil von zehn Prozent. „Der Anteil hat sich damit innerhalb weniger Jahre verdoppelt“, sagt die Extremismus-Expertin Andrea Röpke. „Die Frauen sind nicht weniger fanatisch als die Männer.“

Geschichtlich betrachtet sind Frauen sogar fanatischer und vor allem brutaler zu Werke gegangen, wenn sie sich erst mal für einen solchen Weg entschlossen haben.

Meiner Meinung nach war Beate Zschäpe direkt für den Tod von mindestens einem, wenn nicht gar mehreren Menschen verantwortlich. Sie ist eine Killerin, eine Täterin. Und eben nicht nur eine einfache Komplizin. Ich hoffe, dass das die Ermittlungen irgendwann zeigen werden.

Video: Nicht für schwache Nerven: Das NSU-Bekennervideo

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Über den Autor
Andreas HechtHerausgeber und Redakteur

geboren 1968 in Bremen. Er gründete im Juli 2015 zusammen mit Nicole Hahn die Democratic Post und ist Mitglied der Redaktion. Journalistische Arbeit u.a. bei "Dr. Web Magazin", "NEOPresse" und "Huffington Post", nebenbei Autor mehrerer E-Books zu den Themen Lebenshilfe, Marketing und WordPress.

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