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Internet Aus Google wird Alphabet

Was jeder über den Google-Umbau zu Alphabet wissen sollte

© Stansfield GFDL über Wikimedia Commons | Larry Page, CEO Von Alphabet

Google wird zu Alphabet. Soviel ist sicher. Einer der Gründe dafür ist, dass Larry Page auch Nerd bleiben will. Doch der Google-Umbau hat eine Menge Vorteile für den Konzern und letztendlich auch für den User. Genau diese Vorteile beleuchten wir einmal näher.

Warum findet der Umbau überhaupt statt? Und warum genau jetzt? Welche Vorteile bietet das dem Google-User? Die letzte Frage ist zurzeit recht leicht zu beantworten: Kaum welche. Doch es geht nicht nur um das hier und jetzt, sondern vor allem um die Zukunft. Der Umbau des Konzerns war überfällig und birgt die große Chance in sich, dass das Google-Alphabet innovativer wird, mehr in Forschung und Entwicklung investieren kann und durch eigene Sparten insgesamt bessere Entwicklungsarbeit leisten kann.

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Die Web-, Werbe- und mobilen Dienste von Google werden zwar in eine eigene Sparte mit einem eigenen CEO gesteckt, aber die Produkte bleiben vorerst die gleichen.

Der Google-Umbau: Zielgruppen sind Aktionäre, Mitarbeiter und andere Unternehmen

Natürlich hat der Umbau erst einmal eine andere Zielgruppe. Es sollen Aktionäre, Mitarbeiter und andere Unternehmen erreicht werden. Primär geht es um bessere und leichtere Wege, um in das neue Unternehmen Alphabet investieren zu können.

Warum der Umbau allerdings für gestern angekündigt wurde, weiß kein Mensch außer den Mitarbeitern des Konzerns. Sicher gibt es einige gute Argumente, denn ein überraschend gutes Quartals-Ergebnis zeigt an, dass der Zeitpunkt richtig sein kann. Ebenso dürfte die Stimmung unter den Aktionären recht gut sein, auch ist ausreichendes Vertrauen in den Konzern vorhanden.

Nicht zuletzt deswegen, weil die neue Finanzchefin Ruth Porat, die im Mai von der Investmentbank Morgan Stanley zu Google wechselte, schnell klargemachte, dass sie die Kosten fest im Griff haben wird.

Google ist zu langsam und unbeweglich

Ein hervorragender Grund für den Umbau ist, dass Google viel zu langsam und unbeweglich agiert. Facebook ist in vielen Geschäftsbereichen ein ernstzunehmender Konkurrent geworden, der es versteht, schnell und innovativ zu arbeiten. Die Wachstumsrate von Facebook ist gewaltig, seit Sheryl Sandberg an Bord ist.

Facebook definiert neu, wie und wo Menschen nach Informationen suchen, es sammelt ähnlich viele Nutzerdaten, Facebook-Videos dringen in Sachen Abrufzahlen langsam in YouTube-Sphären vor. Facebook schafft es, seine Nutzer in seinem eigenen Internet-Universum zu halten – in Zukunft vielleicht sogar in seiner eigenen Infrastruktur.

Facebook greift immer mehr in das Google Kerngeschäft ein und bietet ebenfalls Onlinewerbung an. Wenn Google seinen Konkurrenten auf Abstand halten möchte, dann muss der Konzern schneller, agiler und innovativer werden.

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Die Marke Google soll nicht weiter „verwässern“

Die Marke Google soll nicht weiter verwässern und soll daher ab Ende des Jahres nur noch aus der Suche, der Werbung, den Maps, YouTube und Android samt Apps bestehen. Der neue CEO für die Alphabet-Konzernsparte Google wird Sundar Pinchai, bisher für Android und Chrome verantwortlich.

Sundar Pinchai, neuer CEO von Google

© Maurizio Pesce CC BY 2.0 über Wikimedia Commons | Sundar Pinchai, neuer CEO von Google

Die hervorragend verdienende Sparte Google wird sich zudem noch Geld zu wesentlich günstigeren Konditionen leihen können. Ein netter Nebeneffekt, möglich dadurch, dass die Google-Sparte Geld verdient und andere Sparten mit erheblichen Risiken behaftet sind.

Der Umbau reduziert die Risiken für Alphabet. Gerät eine Sparte in eine Krise, so ist nicht der gesamte Konzern betroffen. Auch für Investoren ist die neue Struktur viel transparenter und vorteilhafter. Doch das eigentliche Zauberwort heißt Risikostreuung. Entstanden ist ein Mischkonzern.

Als Mischkonzern, auch Multikonzern oder Konglomerat genannt, wird ein stark diversifiziertes Unternehmen mit Tochtergesellschaften bezeichnet, die unterschiedliche Wertschöpfungsketten aufweisen und nicht miteinander im Wettbewerb stehen. Die Diversifikation wird meist durch geschäftliche Aktivitäten in unterschiedlichen Branchen erreicht (z. B. gleichzeitige Aktivitäten in den Bereichen Energietechnik, Medizintechnik, Telekommunikation, Finanzdienstleistungen).

Die Aufspaltung des Konzerns ist ein Signal in Richtung EU-Kommission

Der Google-Konzern wird von der Politik als unglaublich mächtig empfunden, eine Entflechtung wurde bereits angeregt. Der Vorwurf an Google: Der Konzern nutze seine erhebliche Marktmacht, um Wettbewerber zu verdrängen. Daher ist alles, was Google weniger monolithisch erscheinen lasse, von großem Vorteil für das Unternehmen, wie der angesehene Wirtschaftsjournalist Felix Salomon auf fusion.net schreibt.

Larry Page will nach Google-Umbau Nerd bleiben

Die Interessen der beiden Gründer des Unternehmens Google sollte man nicht vernachlässigen. Larry Page möchte gern wieder Spielkind, Nerd und Entwickler sein, ebenso, wie er ein CEO sein möchte.

Künftig will er als Alphabet-CEO die Ressourcenverteilung steuern und sich mit jedem Geschäftsbereich von der Medizintechnik über Künstliche Intelligenz bis zu selbstfahrenden Autos und Robotern beschäftigen. Das kann nur gut für uns alle sein.

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Über den Autor
Andreas HechtHerausgeber und Redakteur

geboren 1968 in Bremen. Er gründete im Juli 2015 zusammen mit Nicole Hahn die Democratic Post und ist Mitglied der Redaktion. Journalistische Arbeit u.a. bei "Dr. Web Magazin", "NEOPresse" und "Huffington Post", nebenbei Autor mehrerer E-Books zu den Themen Lebenshilfe, Marketing und WordPress.

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