Democratic Post

Kritische Texte und kontroverse Meinungen

International US-Vorwahlen

US-Vorwahlen: Lawrence Lessig mischt den Wahlkampf von hinten auf!

Harvard-Professor Lawrence Lessig mischt US-Vorwahlen von links auf

© Flickr/jeanbaptisteparis CC BY-SA 2.0 | Harvard-Professor Lawrence Lessig mischt US-Vorwahlen von links auf

Der Harvard-Professor Lawrence Lessig mischt den amerikanischen Vorwahlkampf von links auf. Er weist eine klare Agenda und radikale Vorhaben auf. Er scheint beste Chancen zu haben, obwohl er nur Präsident auf Zeit werden will. Wer ist dieser Demokrat, der so plötzlich auftauchte und Hillary Clinton in Bedrängnis bringt?

Das kuriose ist, dass Lessig an die Macht strebt, diese jedoch gleich wieder abgeben möchte. Ihm ist nur daran gelegen, ein großes Reformpaket der Demokraten im Kongress durchzuboxen. Im Anschluss soll sein Vize die Präsidentschaft übernehmen.

Anzeige

Lawrence Lessigs Konzept der Finanzierung seines Wahlkampfs

Um in den bereits laufenden Vorwahlkampf einsteigen zu können, will er mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne bis zum 07. Dezember das nötige Kleingeld finanzieren. Er würde 1,2 Millionen Dollar Startkapital benötigen, meint der Harvard-Professor Lessig.

Das Rennen um die Kandidatur bei den US-Präsidentschaftswahlen ist seit seiner Ankündigung vom Dienstag um einen außergewöhnlichen Kandidaten reicher. Wenn alles gut geht, könnte Lessig der direkte Konkurrent des Republikaners Donald Trump werden. Ein Vergleich ist nicht abwegig, denn beide vertreten radikale Ansichten und lassen sich nicht den Mund verbieten. Von diplomatischen, weichgespülten Aussagen halten beide nicht wirklich viel. Und genau das könnte diesen Wahlkampf so ungemein interessant gestalten.

Dafür steht Lessig

Lessig gilt als großer Verfechter der Copyright-Alternative Creative Commons und ist als Kritiker des Urheberrechts bekannt. Er gilt als Liberaler im europäischen Sinne, hat sich neben vielen Freunden auch Feinde gemacht. Er fordert eine grundsätzliche Reform des politischen Systems, hier insbesondere die Wahlkampffinanzierung, die von einflussreichen Spendern abhängt. In diesem Punkt sieht Lessig das entscheidende Problem, dass zentrale Probleme in den USA nicht gelöst werden können.

Denn wer von Großspender-Gnaden in den Präsidentschaftsstuhl gehievt wurde, kann nicht wirklich unabhängig sein. Deshalb betreibt Lawrence Lessig seit 2014 eine Lobbygruppe, die alternative Wege der Wahlkampffinanzierung unterstützt und offensichtliche Eingriffe von Spendern anprangert. Auch diese Lobby-Gruppe finanzierte Lessig aus einer Crowdfunding-Kampagne, die ihm zehn Millionen Dollar für das Projekt einbrachte.

Die Korruption des Kongresses muss aufhören

Lessig möchte eine Politik implementieren, die wirklich funktioniert und nicht von Geld korrumpiert ist. Denn zurzeit repräsentiert der Kongress nicht das Volk, sondern nur seine Spender. Dementsprechende Politik wird gemacht. Denn die gemachten Versprechungen der Politik können durch das kaputte, korrupte politische System der USA nicht eingehalten werden. Genau das will der Harvard-Professor ändern.

Das Reformpaket

Hierzu will Lessig ein ambitioniertes Reformpaket durch den Kongress peitschen – den Citizen Equality Act of 2017. Das Paket soll die Rechte und die Gleichheit von Bürgern stärken und die Wahlkampffinanzierung reformieren, indem Großspenden im Wahlkampf verboten werden. Die Bürger sollen stattdessen einen Gutschein vor den Wahlen erhalten, mit dessen Hilfe der favorisierte Kandidat unterstützt werden kann. Der Zugriff von Lobbyisten auf die Politik würde sich bedeutend verringern, wie es auf der Kamapgnen-Website heißt.

Ein weiterer prominenter Punkt in dem Wahlkampfprogramm ist die Registrierung der Bürger zur Wahl. Hiermit soll die Wahlbeteiligung erhöht werden und auch bildungsferne Schichten zur Wahl motivieren. Auch am Wahltag soll es künftig noch möglich sein, sich für die Wahl zu registrieren. Wahlen sollen nur noch auf ein Wochenende fallen, damit soviel Bürger wie möglich die Chance zur Wahl haben.

Ebenso soll der Zuschnitt der Wahlbezirke neu überdacht werden, was ein heißes Eisen in den USA darstellt. Lessig will diese Wahlbezirke transparenter und fairer gestalten. Denn die Stimme eines Bürgers müsse überall das gleiche Gewicht haben, meint Lessig.

Anzeige

Hat Lawrence Lessig eine echte Chance auf die Präsidentschaft?

Auf jeden Fall. Er spricht die Dinge aus, die niemand zu sagen wagt. Er kann ein Programm vorweisen, das in der amerikanischen Bevölkerung auf breiten Zuspruch stoßen dürfte. Er will etwas bewegen, etwas ändern – nicht einfach nur an die Macht. Dazu passt auch ganz hervorragend seine Absicht zurückzutreten, sobald er seine Reform durch den Kongress gebracht hat. Ob diese Reform im Kongress allerdings eine Chance hat, bleibt abzuwarten.

Sein ambitioniertes Programm hat eine echte Chance, seine Mitbewerber kräftig unter Druck zu setzen. Donald Trump will mit rechtem Gedankengut gegen Mexikaner und Frauen gewinnen, Lessig mit einem linken Programm, dass den Demokraten gut anstehen wird. Auch seine Mitbewerber haben sich zu dem Equality Act of 2017 geäußert, allerdings nur sehr verhalten. Man spürt direkt, dass die Mitbewerber Lessigs nur an die Macht, jedoch nichts ändern wollen.

Genau das ist die Chance von Lawrence Lessig. Deswegen kann dieser verwegene Aktivist wirklich Präsident werden.

Anzeige

Democratic Post unterstützen

Wenn Ihnen unser Artikel gefallen hat: Bitte unterstützen Sie diese Form des Journalismus.

Bitte wählen Sie:
Über den Autor
Andreas HechtHerausgeber und Redakteur

geboren 1968 in Bremen. Er gründete im Juli 2015 zusammen mit Nicole Hahn die Democratic Post und ist Mitglied der Redaktion. Journalistische Arbeit u.a. bei "Dr. Web Magazin", "NEOPresse" und "Huffington Post", nebenbei Autor mehrerer E-Books zu den Themen Lebenshilfe, Marketing und WordPress.

Druckversion
Webseite ausdrucken

Sorry, die Kommentare sind geschlossen.