Democratic Post

Kritische Texte und kontroverse Meinungen

Juristisches #Foodporn

#Foodporn: Essen fotografieren? Das kann richtig teuer werden!

#Foodporn - Hochwertiges Essen zu fotografieren und ins Internet zu stellen ist rechtswidrig

Das Fotografieren und Teilen von Essen-Fotos auf Facebook und Instagram liegt voll im Trend. Rechtlich gesehen bewegen Sie sich damit jedoch auf dünnem Eis, denn das kann extrem teuer werden. Das Copyright liegt oftmals nicht beim User, der diese Fotos erstellt, daher ist echte Vorsicht geboten.

Promis tun es und die Millionen an Nicht-Prominenten auch. Das eigene Essen fotografieren und anschließend beim Social-Media-Account seiner Wahl einstellen, um die Follower an der Mahlzeit teilhaben zu lassen. Facebook und Instagram sind voll mit solchen Bildern. Es ist auch kein Wunder, denn #Foodporn ist mittlerweile zum echten Kult geworden.

Anzeige

Juristisch gesehen bewegt man sich mit dem Hochladen von Bildern immer auf sehr dünnem Eis, dass kann schnell nach hinten losgehen.

Die Zeitschrift Finanztest rät: Seien Sie mit dem Fotografieren vorsichtig

Nicht einfach fotografieren, sondern vorher überlegen, rät die Zeitschrift Finanztest in ihrer Ausgabe 8/2015. Doch die beliebten Fotos sind weit verbreitet. Schnell ist ein Foto von dem geschossen, was Gastwirte und auch Pflegeheime auf den Teller bringen. Auf Facebook ist die Seite „Jürgen fotografiert sein Essen“ ein echter Knaller, hier zeigt ein Frührentner sein nicht wirklich appetitliches Altenheim-Essen. Die Facebook-Seite hat bereits 30.000 Fans. Fast täglich postet Jürgen dort sein Essen und lässt seine Fans an dem „Essen“ teilhaben.

Mittlerweile heißt es, dass das Altenheim gegen ihn rechtlich vorgeht.

Kommen wir wieder zur rechtlichen Problematik.

Anzeige

Können #Foodporn-Fotos rechtswidrig sein?

#foodporn-kann-richtig-geld-kosten

In einzelnen Fällen ist es tatsächlich möglich, dass solche Fotos rechtswidrig sein können. Unser Foto oben zeigt eines der möglichen Beispiele, wann das Fotografieren und Hochladen ins Internet rechtwidrig ist. Das Essen ist aufwendig gestaltet und arrangiert. In diesem Fall ist der Koch der Urheber. Eine Veröffentlichung ist dann nur mit seinem (schriftlichen) Einverständnis legal.

Eine zweite Möglichkeit bestünde darin, dass das Restaurant Fotos in seiner Hausordnung verbietet. Das ist dann definitiv verbindlich, ein Verstoß rechtswidrig.

„Eine aufwendig arrangierte Speise im Restaurant kann ein urheberrechtlich geschütztes Werk sein. In dem Fall hat allein der Urheber das Recht zu entscheiden, wie und in welchem Umfang eine Vervielfältigung stattfindet“

Das sagt Dr. Niklas Haberkamm dazu. Dr. Haberkamm ist Partner der Wirtschaftskanzlei Lampmann, Haberkamm & Rosenbaum in Köln mit dem Schwerpunkt Marken- und Medienrecht.

Sicherlich kann es schwerfallen, sich vorzustellen, dass ein Mittag- oder Abendessen urheberrechtlich geschützt sein könnte. Doch bei einer Currywurst oder einer Pizza wird das nicht der Fall sein. Das kann weiterhin ungestraft publiziert werden.

Die Ausweitung des Urheberrechts

Mit einem Urteil vom November 2013 entschied der Bundesgerichtshof den Urheberrechtsschutz in der angewandten Kunst auszuweiten. Das sogenannte Geburtstagszug-Urteil sorgt für eine Absenkung der Schöpfungshöhe, meint Rechtsanwalt Haberkamm.

Keine Ausnahmen für nichtkommerzielle Fotos

Das Urheberrecht dient dem Schutz einer individuellen Kreation. Der Urheberrechtsschutz besteht unabhängig davon, ob die urheberrechtlich relevante Handlung – also Vervielfältigung, Verbreitung, öffentliche Zugänglichmachung – kommerziell oder nicht kommerziell erfolgt.

Bisher ist noch kein Fall bekannt, in dem ein Koch oder ein Gastwirt auf die Verletzung seiner Urheberrechte verklagt hat. Die breite Masse der Köche und Gastwirte wird das Teilen von Fotos seiner Mahlzeiten wohl auch als willkommene Werbung ansehen.

Sollten Sie bei sehr ambitionierten Köchen oder gar in einem Sterne-Restaurant essen gehen, empfiehlt es sich, auf #Foodporn Fotos zu verzichten. Köche in der gehobenen Küche sehen sich als Künstler, und richten ihr Essen nach bestimmten künstlerischen Maßstäben an. In diesen Lokalitäten gilt es daher sehr vorsichtig zu sein oder sich das Okay vom Koch einzuholen. Sicher ist sicher.

Die möglichen Strafen sind empfindlich hoch

Die möglichen Strafen für unerlaubt getätigte und verbreitete Fotos sind empfindlich hoch. Die hohen Streitwerte im Urheberrecht können allein für die außergerichtliche Geltendmachung der Ansprüche Kosten von mehreren hundert Euro nach sich ziehen. Bei einem gerichtlichen Verfahren hingegen können die Kosten leicht in den vierstelligen Bereich rutschen. Vor allem bei aufwendigen Kreationen in der japanischen und koreanischen Küchentradition ist beim Food-Posten Vorsicht geboten.

Im Fall der Alltagsessen in einem Restaurant, in dem es per Hausordnung verboten ist, Fotos zu machen, kann es ebenso teuer werden.

„Auch wenn das Urheberrecht nicht greift, kann der Gastronom über sein Hausrecht das Fotografieren der Speisen untersagen.“ so Rechtsanwalt Haberkamm.

Bei der bereits oben angesprochenen Facebook-Seite „Jürgen fotografiert sein Essen“ geht es genau um einen solchen Vorgang. Der Rentner prangerte das – man mag es kaum so nennen – Essen in seinem Pflegeheim an. Die Heimleitung drohte angeblich mit einem Rauswurf, ruderte jedoch unter dem Druck der Öffentlichkeit zurück.

Da vergeht selbst mir die Lust auf Vanilliepudding…

Posted by Wir fotografieren unser Essen – Residenz Seniorenheim / Krankenhaus on Montag, 20. Juli 2015

Wer muss vermehrt mit rechtlichen Problemen rechnen?

Das Verhalten der jeweiligen Menschen, die Essen-Fotos in den sozialen Netzwerken posten, kann direkte Auswirkungen auf eine mögliche Klage haben. Wer hochwertiges, teures Essen postet und schlecht darüber schreibt, wird eher mit einer Klage zu rechnen haben. Wenn Sie jedoch einen wohlwollenden Beitrag schreiben und das Essen loben, werden Sie höchstwahrscheinlich keine Probleme bekommen.

Restaurants sehen das Eine als Rufschädigung an und das Andere als willkommene Werbung. Natürlich muss der Betreiber oder Wirt erst einmal Kenntnis über den Post erlangen, ehe ein unerlaubter Beitrag ein juristisches Nachspiel haben kann.

Anzeige

Democratic Post unterstützen

Wenn Ihnen unser Artikel gefallen hat: Bitte unterstützen Sie diese Form des Journalismus.

Bitte wählen Sie:
Über den Autor
Andreas HechtHerausgeber und Redakteur

geboren 1968 in Bremen. Er gründete im Juli 2015 zusammen mit Nicole Hahn die Democratic Post und ist Mitglied der Redaktion. Journalistische Arbeit u.a. bei "Dr. Web Magazin", "NEOPresse" und "Huffington Post", nebenbei Autor mehrerer E-Books zu den Themen Lebenshilfe, Marketing und WordPress.

Druckversion
Webseite ausdrucken

Sorry, die Kommentare sind geschlossen.