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Wirtschaft Griechenland-Krise

EU-Kommission: Drei Szenarien für Athen – alle enden im totalen Desaster!

Drei Szenarien für Athen, alle enden sie im totalen Desaster

Drei Szenarien für Athen, alle enden sie im totalen Desaster

Drei Szenarien stellte die EU-Kommission für Griechenland auf, alle drei enden im Desaster. Wie es scheint, ist Athen nicht mehr zu helfen, der Schuldenstand könnte bald die 200 Prozent übersteigen. Und das ist noch eine wohlwollende Rechnung der EU-Behörde.

Ist Griechenland wirklich nicht mehr zu helfen? Die EU-Kommission ist als Griechenfreundlich bekannt, die Beobachter aus Brüssel sehen die griechische Welt zumeist noch recht rosig. Genau deshalb ist die neueste Analyse der Schuldentragfähigkeit des Landes umso erschreckender. Besonders, weil die errechneten Szenarien immer noch recht „optimistisch“ gestaltet sind.

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Drei Szenarien für Athen nach drittem Hilfsprogramm

Die EU-Kommission stellte drei Szenarien für die kommenden 15 Jahre zusammen, diese inkludieren das dritte Hilfsprogramm. Kein Szenario ist ermutigend – ganz im Gegenteil – denn sie enden allesamt im totalen Desaster. Die Wirtschaftsleistung sinkt in diesem Jahr um 2,3 %, im nächsten Jahr nochmal um 1,3%. In 2017 soll die Wirtschaftsleistung dann um 2,7% steigen, 2018 soll sie gar um 3,1% steigen. Der Langzeittrend sieht ein Plus von 1,75 Prozent vor. Erstmals im Jahr 2018 würde Athen den Haushaltsüberschuss vor Zinszahlungen von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreichen.

Szenario Nr.1

Nehmen wir einmal an, dass die Griechen das versprochene dritte Hilfspaket korrekt umsetzen, dann klettert der Schuldenstand im Vergleich zur Wirtschaftsleistung bereits auf 196% noch in diesem Jahr. Im kommenden Jahr wären dann 201% in der Spitze zu erwarten, im Jahr 2020 würde er immer noch bei 175 Prozent liegen.

In weiter Ferne – dem Jahr 2030 – läge er dann bei circa 122 Prozent und damit immer noch über der Grenze von 120% der Wirtschaftsleistung, die der Internationale Währungsfonds (IWF) für tragbar hält. Natürlich ist eine soweit reichende Prognose kaum realitätsgetreu errechenbar, dass muss man hinzufügen.

Szenario Nr. 2

In einem weiteren Szenario geht die Kommission zunächst einmal von 0,5 Prozent pro Jahr aus. Dann käme Griechenland erst wieder im Jahr 2019 auf den versprochenen Primärüberschuss von 3,5%. Auch die Gewinne aus den Privatisierungen des bisherigen Staatseigentums könnten mit 3,7 Milliarden Euro niedriger als erwartet ausfallen. Das Szenario geht davon aus, dass Athen die Reformen nur zum Teil umsetzen, was auch bisher der Fall war.

Das Ergebnis wäre, dass der Schuldenstand bereits im kommenden Jahr auf 207% des Bruttoinlandsprodukts klettert. Im Jahr 2030 läge er dann bei 143 Prozent, was eine absolute Katastrophe wäre.

Szenario Nr. 3

Das ist der beste angenommene Fall. Auch dieser ist zum Fürchten, denn die Kommission geht in diesem Fall von 0,5% mehr Wachstum pro Jahr aus. Die Einnahmen erlösen in diesem Fall satte 25 Milliarden Euro zwischen diesem Jahr und dem Jahr 2022. Zehn von den angenommenen 25 Milliarden Euro Erlös kommen in diesem Fall aus der Privatisierung der Banken. Und doch steigt die Schuldenquote in 2016 bereits auf 199 Prozent. In 2020 würde sie bei 166% liegen und 2030 bei immerhin noch 107 Prozent, was jedoch innerhalb des geforderten Rahmens läge.

Regierung Tsipras verzeichnet die schlimmste Entwicklung

© FrangiscoDer CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

© FrangiscoDer CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons | Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras

Die Zahlen sind erschreckend. Verglichen mit früheren Analysen zeigt sich jedoch, dass die schlimme Entwicklung im letzten halben Jahr der Regierung Tsipras anzulasten ist. Die Analyse der Schuldentragfähigkeit des zweiten Hilfspakets aus 2012 sah im Jahr 2020 nur eine Quote von 124 Prozent vor. Bereits im Jahr 2030 sollte sie unter 110 Prozent liegen. Die neuesten Entwicklungen sind sehr weit davon entfernt. Und das selbst im allergünstigsten Fall.

Dazu sagen muss man jedoch, dass es sich lediglich um eine Analyse der EU-Kommission handelt. Der IWF – der Internationale Währungsfonds – dürfte zu anderen Ergebnissen kommen, denn er rechnet zumeist kritischer. Zuletzt entsprach dessen Basis-Szenario häufig den Annahmen der Kommission für den schlimmsten Fall.

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Athen erhält knapp 92 Milliarden Euro

Im Angesicht dieser Zahlen wartet natürlich alles sehr gespannt auf die Beratungen der Euro-Finanzminister am kommenden Freitag. Diese beraten über eine Grundsatzvereinbarung zum dritten Hilfspaket für Griechenland. Vorher muss jedoch das Parlament in Athen über das Memorandum of Understanding (MoU) abstimmen.

Das Rettungsprogramm soll Athen insgesamt 91,7 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Dies ist der Finanzbedarf der Griechen laut der „Welt“. Die erste Rate soll noch im August fließen und einen Umfang von 23 Milliarden haben. Die zweite Rate soll im September mit zwei Milliarden folgen und im Oktober kommt dann die dritte Rate mit 18 Milliarden Euro dazu. Allerdings muss Athen dann auch gleich eine Rückzahlung an die Europäische Zentralbank leisten, diese wird am 20. August fällig und beträgt 3,2 Milliarden Euro.

Auch griechische Banken sollen stabilisiert werden mit einem geschätzten Kapitalbedarf von 25 Milliarden Euro.

Diese Sofortmaßnahmen muss Griechenland umsetzen

47 Sofortmaßnahmen hat Griechenland umzusetzen, hierzu zählen Beispielsweise das Einfrieren von Pensionen im öffentlichen Bereich, keine Diesel-Subventionen mehr für Landwirte, die Öffnung bestimmter Berufszweige wie Notare und der Verkauf von Regional-Flughäfen.

Griechenlandkrise – Machtgeplänkel kontra Demokratie

Quelle:

Drei Szenarien für Athen – und alle sind zum Fürchten

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Über den Autor
Andreas HechtHerausgeber und Redakteur

geboren 1968 in Bremen. Er gründete im Juli 2015 zusammen mit Nicole Hahn die Democratic Post und ist Mitglied der Redaktion. Journalistische Arbeit u.a. bei "Dr. Web Magazin", "NEOPresse" und "Huffington Post", nebenbei Autor mehrerer E-Books zu den Themen Lebenshilfe, Marketing und WordPress.

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