Democratic Post

Kritische Texte und kontroverse Meinungen

Meinung Soziales Jahr für Flüchtlinge

AfD fordert Arbeitspflicht für Flüchtlinge. Eine Chance oder Sklavenarbeit?

© Robin Krahl CC-BY-SA 4.0 über Wikimedia Commons | NRW AfD-Landesvorsitzender Marcus Pretzell

Die AfD möchte sich vermehrt um Einwanderungs- und Asylpolitik kümmern, so die neue Vorsitzende Frauke Petry. Der AfD-Landesvorsitzende aus Nordrhein-Westfalen hat nun den Vorschlag eines verpflichtenden Bürgerdienstes für Asylbewerber gemacht. Die Basis für seinen Vorschlag bietet das bereits existierende freiwillige soziale Jahr, das vor allen von Schulabgängern vor der Ausbildung genutzt werde. Kann ein solcher Vorschlag auch Chancen bieten für die Flüchtlinge?

Man sollte nicht grundsätzlich jeden Vorschlag der AfD ablehnen, nur weil diese als rechte Partei gilt. Manchmal findet auch ein blindes Huhn ein Korn. Kann also ein „verpflichtender Bürgerdienst“ eine gute Sache auch für den einzelnen asylsuchenden Flüchtling sein? Kann es von Vorteil für die jeweilige Gemeinde sein, wenn die Flüchtlinge, die in diese Gemeinde integriert werden sollen, dort bereits einen sozialen Dienst verrichten? Ich meine ja, aber es kommt auch auf die Umstände an, mit denen man eine solche Einrichtung aufzieht.

Anzeige

Eine Integration in unsere Gesellschaft ist für Flüchtlinge, die in unserem Land bleiben wollen, sehr wichtig. Arbeit ist sehr wichtig, ebenso wie das Erlernen der deutschen Sprache, damit die betreffenden Flüchtlinge auch die Chance auf eine Arbeitsstelle haben. Eine Arbeitspflicht für Flüchtlinge kann durchaus Chancen für beide Seiten bieten.

Ein verpflichtender Bürgerdienst kann Vorteile für beide Seiten haben

Einen Asylantrag in Deutschland zu stellen und auf seine Bewilligung zu warten dürfte für die Menschen sehr schwer sein, die voller Hoffnung zu uns kommen. Denn die Bearbeitung eines solchen Antrags dauert im Schnitt sieben Monate, manchmal geht es auch schneller. Allerdings kann es in einzelnen Fällen auch bis zu einem Jahr und länger dauern.

Drei Monate dieser Zeit dürfen die Asylsuchenden nicht arbeiten und haben Residenzpflicht. Sie müssen also drei Monate an den Ort bleiben, an dem sie einen Asylantrag gestellt haben. Danach können die Menschen dann dorthin gehen, wo sie im Anschluss leben möchten. Einen Job finden sie dann aufgrund des schwebenden Asylverfahrens trotzdem nicht, den Arbeitgebern ist es einfach zu unsicher, einen Asylbewerber mit einem schwebenden Verfahren einzustellen.

Für die betroffenen Menschen ist dieser Zustand fast unhaltbar und stark an der Grenze des Zumutbaren. Genau hier könnte ein „verpflichtender Bürgerdienst“ große Vorteile haben.

So könnte ein sozialer Bürgerdienst aussehen

Flüchtlinge, bei denen man bereits weiß, dass der Asylantrag positiv entschieden wird, könnten sofort in die Gemeinde verbracht werden, die sie später aufnehmen wird. Hier sollte ein Sprachkurs stattfinden, damit die Menschen schnell die Möglichkeit besitzen, mit den Deutschen kommunizieren zu können und ihre Angelegenheiten ohne Dolmetscher wahrnehmen zu können. Das verschafft Selbstbewusstsein.

Von Anfang an sollten die Asylsuchenden dann einen sozialen, verpflichtenden Bürgerdienst ableisten. Dieser könnte zum Beispiel zuerst in der Pflege von Grünanlagen bestehen, bis ein ausreichender Wortschatz für anspruchsvollere Tätigkeiten gebildet wurde. Als Beispiel nenne ich einen Einsatz im Pflegebereich, der dringend Fachpersonal benötigt. Natürlich weiß jede Gemeinde am Besten, wo noch dringend Personal in der Wirtschaft gebraucht wird.

Ein „verpflichtender Bürgerdienst“ könnte also auch als eine Vorbereitung auf eine spätere Ausbildung dienen. Als eine Möglichkeit, nach positivem Asyl-Bescheid gleich in eine Ausbildung zu gehen und dort arbeiten zu können, wo noch Arbeitskräfte benötigt werden. Arbeitsplätze für Flüchtlinge wären ausreichend vorhanden, Zeitarbeitsfirmen wie Manpower würden sich sogar an den Ausbildungskosten beteiligen, wenn sie die Menschen im Anschluss unter Vertrag nehmen dürfen.

Die Zeitarbeitsfirma Manpower ist sogar bereit, sich in einem Pilotprojekt mit der Bundesagentur für Arbeit die Kosten für Sprachkurse und Eingliederungsmanagement zu teilen, wenn man die Flüchtlinge dann auch unter Vertrag nehmen dürfe.

Anzeige

Verpflichtender, sozialer Bürgerdienst: Knallharte Vorteile für beide Seiten

Ein solcher Dienst kann für beide Seiten ein echter Gewinn sein, wenn sie in der Kommune, die sie später aufnehmen wird, ein soziales Jahr ableisten müssen. Kommunen könnten entlastet werden, wenn die Flüchtlinge richtig eingesetzt werden. Die Asylbewerber bekommen eine große Chance zur Integration an die Hand, weil Sie jeden Tag ihre neuen Deutschkenntnisse anwenden könnten und ihren Beitrag für die Gesellschaft leisten können.

Für die Bevölkerung wäre es ein Signal, dass Hilfsbereitschaft und Solidarität nicht nur in eine Richtung gingen, sondern für beide Seiten gelten. Die Asylbewerber hocken nicht nur unter sich und schieben Frust, sondern wären aktiv an ihrer Integration beteiligt und können ihr Scherflein dazu beitragen. Ich bin mir sicher, dass die Asylsuchenden darüber froh wären.

Doch auch die Kommunen müssen diese verpflichtende, soziale Arbeit ihrer Asylsuchenden als Vorbereitung auf eine spätere Arbeit begreifen. Und nicht als willkommener „Sklavendienst“. Denn das wäre das falsche Signal.

https://youtu.be/w6iiD2MtQZw

Quellen:

Anzeige

Democratic Post unterstützen

Wenn Ihnen unser Artikel gefallen hat: Bitte unterstützen Sie diese Form des Journalismus.

Bitte wählen Sie:
Über den Autor
Andreas HechtHerausgeber und Redakteur

geboren 1968 in Bremen. Er gründete im Juli 2015 zusammen mit Nicole Hahn die Democratic Post und ist Mitglied der Redaktion. Journalistische Arbeit u.a. bei "Dr. Web Magazin", "NEOPresse" und "Huffington Post", nebenbei Autor mehrerer E-Books zu den Themen Lebenshilfe, Marketing und WordPress.

Druckversion
Webseite ausdrucken

Ein Kommentar

  1. Julia schrieb :

    Eine sehr gute Idee. Ich glaube, wenn sich das herumsprechen würde, hätten wir plötzlich um die Hälfte weniger Zustrom.