Democratic Post

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Politik Flüchtlingspolitik

Dieses Video hat mir die Tränen in die Augen getrieben

Brennende Flüchtlingsunterkünfte und Rechte Hassparolen. Das ist der neue Alltag in Deutschland. Doch sechzig Prozent der Deutschen sind sich einig, dass das eine Schande ist. Es ist eine Schande, gegen Menschen zu hetzen, die alles verloren haben, die auf der Flucht vor Tod und Gewalt sind und bei uns Schutz suchen. Dieses Video von Amnesty International rührte mich zu Tränen und wird auch Sie aufrütteln. Denn es zeigt die Flüchtlingsdebatte aus unserer Sicht, zeigt ein fiktives Szenario in dem europäische Flüchtlinge nach Afrika um ein besseres Leben willens ziehen.

Brennende Flüchtlingsunterkünfte sind leider keine Ausnahme, denn laut aktuellen Zahlen des Bundeskriminalamts gab es im laufenden Jahr (Stand 27. August 2015) bereits 335 rechtsextreme Straftaten gegen Asylbewerberunterkünfte – doppelt so viele wie im letzten Jahr. Und das Jahr ist noch nicht zu Ende. Nur auf Juli und August bezogen wurden 131 Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte registriert.

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Rechte Straftaten nicht nur im Osten

Rechte Straftaten fanden nicht nur im Osten unseres Landes statt, wie man wohl meinen könnte. Ganz im Gegenteil. Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Niedersachsen gehören zu den Bundesländern mit einem starken Anstieg rechtsextremer Straftaten. Schwierig für die Polizei machen es die Umstände, dass bisher nur ein geringer Teil der Straftäter bereits wegen ähnlichen Delikten auffielen. Die eindeutige Mehrheit dieser Straftäter galt also bislang als unbescholtene Bürger.

Neu ist, dass mittlerweile auch eine Tötungsabsicht mit den Attacken einher ging. Der Angriff auf die Flüchtlingsunterkunft in der Nacht zum 28. August 2015 im niedersächsischen Salzhemmendorf hätte auch ganz anders enden können. Wenn sich die vierköpfige Familie nicht in einem anderen Zimmer befunden hätte, wäre es wahrscheinlich zu Toten gekommen.

Die Völkerwanderung – 60 Millionen Menschen sind unterwegs

Fast 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Das ist so viel wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Sie fliehen vor Krieg, totaler Gewalt und auch vor bitterer Armut, wie die Flüchtlinge aus den Balkanstaaten. Sie fliehen und hoffen bei uns in Europa Schutz zu finden, ein neues Leben ohne Angst vor Verfolgung beginnen zu können. Diese Menschen brauchen unsere Hilfe.

Nicht alle Menschen werden wir in Deutschland aufnehmen können, manche auch gar nicht aufnehmen wollen, wie die Flüchtlinge aus den Balkanstaaten. Die anvisierten 800.000 Menschen, die zu uns kommen in diesem Jahr hingegen können wir gut verkraften. Doch dabei wird es wohl nicht bleiben, denn dazu sind die Zahlen von Bundesinnenminister Thomas de Maizìere zu optimistisch gerechnet.

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Die extrem gefährliche Flucht nach Europa

Allein im Jahr 2014 starben auf dem Mittelmeer circa 3.500 Menschen bei dem Versuch über den Seeweg nach Europa zu gelangen. Wieder andere erstickten bei dem Versuch auf dem Landweg in die EU zu gelangen – in völlig überfüllten LKW-Anhängern eingepfercht wie die Tiere. Flüchtlinge werden täglich an den EU-Außengrenzen misshandelt und gequält, viele von ihnen werden auch einfach ohne Prüfung der Asylberechtigung zurück geschickt.

Die Mitgliedsstaaten der EU tragen die Schuld für die vielen Toten, denn sie schufen eine fast uneinnehmbare Festung, um sich vor den Asylsuchenden zu schützen. Diese sahen sich dadurch gezwungen, immer gefährlichere Wege in Kauf zu nehmen. Oftmals mit tödlichen Folgen, wie erst unlängst bekannt wurde. Das Bild des dreijährigen Jungen aus Syrien ging um die Welt.

Nur ein kleiner Teil der Flüchtlinge kommt überhaupt nach Europa

Um klare Fakten zu schaffen: Deutschland ist keines der Länder, die die Hauptlast der Flüchtlinge tragen. Die Hauptverantwortung übernehmen die Entwicklungsländer in Nähe der Kriegsgebiete. Diese Länder haben bisher 86 Prozent der Flüchtlinge aufgenommen und kommen dieser Aufgabe auch weiterhin nach. Das können wir Europäer diesen Ländern gar nicht hoch genug anrechnen, denn Länder wie die Türkei, Pakistan, der Libanon, der Iran, Äthiopien und Jordanien nehmen den Großteil der Flüchtlinge auf und sorgen dafür, dass nur noch ein sehr kleiner Teil sich auf den Weg nach Europa macht.

Die EU-Staaten müssen auch weiterhin Flüchtlinge aufnehmen und sie menschenwürdig behandeln. Flüchtlinge müssen fair auf die Eu-Staaten verteilt werden. Deutschland kann es keinesfalls akzeptieren, dass sich Länder wie Ungarn und Großbritannien um ihre Pflicht drücken möchten. Zur Not müssen diese Länder dazu gezwungen werden, auch die unangenehmen Verpflichtungen aus dem Euro-Paket zu übernehmen.

Vielleicht muss angesichts der Verpflichtung den Flüchtlingen zu helfen und für sie einzustehen auch überdacht werden, Europa auf eine gewisse Anzahl von Mitgliedsländern gesund zu schrumpfen.

Unsere erste Verpflichtung als deutsche Staatsbürger und Europäer ist die Aufnahme schutzbedürftiger Menschen. Wir müssen ihnen faire und vor allem schnelle Asylverfahren bieten. Diejenigen, die nicht in ihre Heimat zurückkehren können und bei uns bleiben dürfen, muss eine echte Perspektive geboten werden. Damit die Flüchtlinge innerhalb kürzester Zeit zu produktiven Mitgliedern unserer Gesellschaft werden und wir von ihnen profitieren können.

Petition: Schluss mit dem Hass unterzeichnen

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Über den Autor
Andreas HechtHerausgeber und Redakteur

geboren 1968 in Bremen. Er gründete im Juli 2015 zusammen mit Nicole Hahn die Democratic Post und ist Mitglied der Redaktion. Journalistische Arbeit u.a. bei "Dr. Web Magazin", "NEOPresse" und "Huffington Post", nebenbei Autor mehrerer E-Books zu den Themen Lebenshilfe, Marketing und WordPress.

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