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Deutschland Königsteiner Schlüssel

Wie viel Flüchtlinge muss jedes Bundesland aufnehmen?

Welches Bundesland muss die meisten Flüchtlinge aufnehmen?

Sehr interessant ist die Frage, wie viele Flüchtlinge eigentlich jedes Bundesland aufnehmen muss. Hierzu existiert ein spezieller Verteilungsschlüssel, auch Königsteiner Schlüssel genannt. In diesem Jahr sind bereits zum jetzigen Zeitpunkt mehr als doppelt so viel Asylanträge eingegangen, wie es in 2014 der Fall war. Bis Juli wurden knapp 220.000 Anträge gezählt, wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge meldete. Doch wo landen eigentlich die ganzen Asylbewerber?

Der Königsteiner Schlüssel regelt die Verteilung der Asylsuchenden auf die einzelnen Bundesländer. Hierbei werden Faktoren wie zum Beispiel die Bevölkerungsanzahl und die Steuereinnahmen berücksichtigt. Der Schlüssel wird jedes Jahr neu berechnet, damit alles fair zugeht.

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Verschiedene Systeme sorgen für eine Zuteilung eines Asylsuchenden zu einer bestimmten Erstaufnahmeeinrichtung. Eines der Systeme nennt sich EASY (Erstverteilung von Asylbegehrenden). Bevor die Verteilung beginnen kann, muss der Asylsuchende allerdings offiziell Asyl beantragen. Zwei Wege führen hier zu einem korrekten Asylantrag:

Asylbeantragung an der Grenze oder im Inland

Bei der ersten Möglichkeit meldet sich der Asylbewerber während der Einreise an der Grenze als asylsuchend. Das kann direkt bei der Grenzbehörde geschehen. Die Behörde leitet die Menschen dann an die nächstgelegene Erstaufnahme-Einrichtung weiter. Bei Asylsuchenden aus sogenannten sicheren Drittstaaten allerdings kommt es an der Grenze zu einer Einreiseverweigerung. Dies wäre bei Wirtschaftsflüchtlingen aus den Balkanstaaten der Fall, wenn die Staaten endlich als sichere Drittstaaten klassiert werden würden.

Natürlich besteht auch jederzeit im Inland die Möglichkeit, sich als Asylsuchend registrieren zu lassen. Auch in diesem Fall wird er dann an die nächstgelegene Erstaufnahme-Einrichtung weitergeleitet.

Jetzt tritt das System „EASY“ in Kraft

Easy bedeutet für den Flüchtling, dass er zur zuständigen Erstaufnahme-Einrichtung verwiesen wird. Da die nächstgelegene Aufnahmeeinrichtung nicht auch immer die zuständige ist, muss der Asylbewerber sich zur zuständigen Einrichtung begeben, wenn er dort noch nicht ist. Dort kann dann offiziell der Asylantrag gestellt werden.

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Der Königsteiner Schlüssel verteilt die Quoten

Die Zuteilung zu einer bestimmten Erstaufnahme-Einrichtung hängt von mehreren Faktoren ab. Zuerst einmal spiele die Kapazitäten eine Rolle, dann auch, welche Herkunftsländer eine Einrichtung bearbeitet – denn nicht jede Erstaufnahme-Einrichtung bearbeitet auch jedes Herkunftsland. Natürlich müssen auch die bestehenden Aufnahmequoten jedes einzelnen Bundeslands berücksichtigt werden, denn diese unterscheiden sich zum Teil erheblich. Hier kommt der Königsteiner Schlüssel zum Einsatz, der genau festlegt, wie viel Flüchtlinge jedes Bundesland prozentual aufnehmen muss.

Der Königsteiner Schlüssel: Die Quoten für 2015

Bundesland Quote
Baden-Württemberg 12,97496%
Bayern 15,33048%
Berlin 5,04557%
Brandenburg 3,08092%
Bremen 0,94097%
Hamburg 2,52738%
Hessen 7,31557%
Mecklenburg-Vorpommern 2,04165%
Niedersachsen 9,35696%
Nordrhein-Westfalen 21,24052%
Rheinland-Pfalz 4,83472%
Saarland 1,21566%
Sachsen 5,10067%
Sachsen-Anhalt 2,85771%
Schleswig-Holstein 3,38791%
Thüringen 2,74835%

Die Verteilung als Grafik:

Die prozentuale Verteilung der Asylbewerber nach dem Königsteiner Schlüssel

Die prozentuale Verteilung der Asylbewerber nach dem Königsteiner Schlüssel

Demzufolge haben Nordrhein-Westfalen und Bayern den höchsten Flüchtlingsdruck aufzuweisen. Das als überwiegend Rechts geltende Bundesland Sachsen hat nur 5,1007 Prozent aller nach Deutschland kommenden Asylbewerber aufzunehmen.

Die Aufnahmequoten sind gesetzlich verpflichtend

Die durch den Königsteiner Schlüssel festgelegten Quoten sind gesetzlich verpflichtend für die Bundesländer. Die Verteilung innerhalb eines Bundeslands auf die einzelnen Kommunen und Kreise ist nicht festgelegt, das ist reine Ländersache. Kritiker am Verteilungssystem bemängeln allerdings, dass wichtige Faktoren wie die Arbeitslosenquote und die Mietpreise nicht berücksichtigt werden.

Anzahl der Asylanträge weltweit und in Europa

Sehr interessant wird die Frage, wie viel Asylanträge eigentlich in den großen Industrienationen im Vergleich zu Deutschland eingegangen sind. Wer ist der Spitzenreiter, das Land mit den meisten Asylanträgen weltweit?

Tabelle: Asylerstanträge in Industrieländern 2014

Das Ergebnis war so nicht zu erwarten. Deutschland hat die meisten Asylanträge in 2014 zu verzeichnen, erst danach folgt die USA.

Asylbewerber in Europa pro 1.000 Einwohner

EU-Staaten im Vergleich: Asylbewerber pro 1000 Einwohner, 2014

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Quellen:

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Über den Autor
Andreas HechtHerausgeber und Redakteur

geboren 1968 in Bremen. Er gründete im Juli 2015 zusammen mit Nicole Hahn die Democratic Post und ist Mitglied der Redaktion. Journalistische Arbeit u.a. bei "Dr. Web Magazin", "NEOPresse" und "Huffington Post", nebenbei Autor mehrerer E-Books zu den Themen Lebenshilfe, Marketing und WordPress.

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