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Technisches Der Abgasskandal

Volkswagen: Die Lüge. Denn Hybris kommt vor dem Fall

Gerade im Land der stärksten Abgas-Kontrollen versuchte VW zu betrügen.

Gerade im Land der stärksten Abgas-Kontrollen versuchte VW zu betrügen.

Volkswagen, der Autohersteller, der voller Hybris mit einem Slogan warb, der überheblicher nicht sein konnte. DAS Auto. Als ob ein Volkswagen grundsätzlich das beste Auto der Welt wäre. Qualitativ hochwertiger als Audi, BMW und Mercedes. Natürlich ist das völliger Unsinn, mit den deutschen Premium-Herstellern konnte VW noch nie mithalten. Nun gelang es dem größten Automobil-Hersteller der Welt ein Negativ-Image sondergleichen aufzubauen.

Volkswagen: Die Lüge. Und das ausgerechnet in den Vereinigten Staaten

Ausgerechnet die USA hat sich Volkswagen für eine breit angelegte Lügengeschichte und Manipulation von Abgaswerten seiner Fahrzeuge ausgesucht. Mittels einer speziellen Software in den Steuergeräten der Fahrzeuge wurde dem zur Zulassung der Fahrzeuge nötigen Abgastest ein wesentlich besserer Abgaswert vorgetäuscht, als eigentlich vorhanden wäre.

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Die Dieselmotoren der VWs stießen zu viele Schadstoffe aus, daher waren die vorgeschriebenen Werte in den offiziellen Tests nicht einzuhalten. Da VW seine Dieselmotoren in den USA jedoch pushen wollte, wurde mit einer speziellen Software betrogen. Doch gerade im Land der schärfsten Abgaskontrollen der Welt musste dies zwangsläufig irgendwann auffallen. Volkswagen hat sich verkalkuliert, der Schuss ging nach hinten los und das zu Recht.

Wer einen abgasarmen Dieselmotor in seinem Auto haben möchte, bezahlt schließlich wesentlich mehr Geld, als er es müsste. Man mag nicht gerne betrogen werden, doch VW hat seine Kunden systematisch über Jahre hinweg betrogen und belogen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt

Nun ermittelt die New Yorker Staatsanwaltschaft gegen den Auto-Konzern. Volkwagen heuerte eine der bekanntesten US-Rechtsanwaltskanzleien an, um sich gegen die Vorwürfe zur Wehr zu setzen. Denn es geht um Strafen in Milliardenhöhe und um den guten Ruf, der bereits jetzt nachhaltig gestört ist.

Das unterscheidet die Zulassungsbehörden in den USA von den deutschen Behörden

Die US-Zulassungsbehörde unterscheidet sich signifikant von unserem deutschen Pendant, denn den systematischen Abgastests vor der Zulassung der Fahrzeuge für den Straßenverkehr folgen Nachtests der Emissionswerte auf der Straße. Die Environmental Protection Agency (EPA) prüft willkürlich die bereits zugelassenen Fahrzeuge auf der Straße nochmals nach, um sich ein Bild von den Emissionswerten im Alltag zu machen.

In Deutschland ist genau das nicht vorgesehen. Laborergebnisse werden bei uns nicht nochmals auf der Straße nachgetestet, wie es in den USA üblich ist.

Warum wurde die Betrugs-Software gerade in den USA getestet?

Kaum verständlich ist die Tatsache, dass die VW-Manager ihre Betrugs-Software ausgerechnet in den Vereinigten Staaten testeten, dem am besten überwachten Markt überhaupt. Man fragt sich, ob die VW-Manager noch bei klarem Verstand waren. Mit ein wenig Nachdenken und Logik wäre jeder Nicht-Manager auf die Idee gekommen, dass ein solcher Betrug in den USA auffliegen muss.

Diese absolute Dummheit der hochbezahlten VW-Versager ist so bemerkenswert, weil die Emissionsgrenzen für giftige Stickstoffoxide oder klimagefährdende Kohlenwasserstoffe, wie sie in den Dieselmotor-Abgasen vorkommen, in den USA wesentlich schärfer als bei uns sind. Die geforderten Abgaswerte hätte man nur mit einer Beschränkung der Leistung der Motoren erreichen können. Den Managern musste hingegen die amerikanische Praxis bekannt gewesen sein, Fahrzeuge auch im Straßenverkehr nochmals nachzuprüfen.

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VW-Chef Winterkorn unter Beschuss

Der VW-Aufsichtsrat berät heute über den Abgasskandal und seine Folgen für den Konzern. Nachdem man zugab, die Abgaswerte von Millionen von Autos manipuliert zu haben, versucht der Aufsichtsrat zu retten, was es noch zu retten gibt.

Zum Aufsichtsrat gehören der Interimsvorsitzende des Präsidiums, Berthold Huber, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Wolfgang Porsche als Vertreter der Großaktionäre sowie Betriebsratschef Bernd Osterloh und dessen Stellvertreter Stephan Wolf.

Volkswagens Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn wird heute keinen guten Tag haben, denn er muss dem Aufsichtsrat erklären, wie es zu der Manipulation der Abgaswerte in Millionen von Fahrzeugen kommen konnte. Ob sich personelle Konsequenzen andeuten, ist noch nicht klar. Winterkorn lehnte es ab, die Verantwortung zu übernehmen und zurück zu treten. Die anstehende Vertragsverlängerung für den VW-Chef scheint allerdings Geschichte zu sein und wird kein Thema am heutigen Tage sein. In einem Video entschuldigte sich Winterkorn.

Winterkorn musste über die Manipulationen unterrichtet sein

Völlig offen ist, ob Winterkorn persönlich für den Betrug verantwortlich war. Es erscheint jedoch sehr unwahrscheinlich, dass die US-Manager in einem straff geführten Unternehmen wie Volkswagen allein verantwortlich handelten. Entweder hat Winterkorn sie angewiesen, oder hat zumindest Bescheid gewusst.

Selbst wenn er widererwarten nichts wusste, wäre dies eine Katastrophe für den Konzern, denn es würde zeigen, dass der Chef nicht alle Zügel in der Hand hält. Welcher Fall auch immer eintreten wird, voraussichtlich wird Winterkorn gehen müssen. Denn als Vorstandsvorsitzender ist er in der Verantwortung für einen Skandal, der Volkswagen wohl mehr als 20 Milliarden Dollar kosten wird.

Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit sind höchst schockiert durch den Skandal. Die Aktie des VW-Konzerns büßte bisher circa 40 Prozent ihres Wertes ein, was einen Milliarden-Verlust bedeutet.

Doch der wahre Verlust, den der Konzern erlitten hat, ist der Verlust des Vertrauens seiner Kunden.

Update 23.09.2015

Der Volkswagen Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn übernimmt die volle Verantwortung für den Vorfall und ist zurückgetreten.

Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen Konzern möglich waren.

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Über den Autor
Andreas HechtHerausgeber und Redakteur

geboren 1968 in Bremen. Er gründete im Juli 2015 zusammen mit Nicole Hahn die Democratic Post und ist Mitglied der Redaktion. Journalistische Arbeit u.a. bei "Dr. Web Magazin", "NEOPresse" und "Huffington Post", nebenbei Autor mehrerer E-Books zu den Themen Lebenshilfe, Marketing und WordPress.

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2 Kommentare

  1. Jansenbusch schrieb :

    Stimmt nicht:
    „weil die Emissionsgrenzen für giftige Stickstoffoxide oder klimagefährdende Kohlenwasserstoffe, wie sie in den Dieselmotor-Abgasen vorkommen, nur unwesentlich schärfer in den USA als bei uns sind.“
    Die Grenzwerte in USA sind rund doppelt so streng wie bei uns, und genau deshalb der „Trick“ mit der Software.

    • Andreas Hecht schrieb : Autor

      Hallo,

      danke, dass Sie uns auf den Fehler aufmerksam gemacht haben. Da muss etwas bei der Recherche falsch gelaufen sein. Der Artikel ist nun berichtigt.