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Die letzte Hürde für Olympia 2024?

Olympia-Ringe auf Hamburger Speichergebäude

In gut zwei Wochen, also genauer gesagt am 29. November dieses Jahres, werden die Hamburger/Innen und ebenso die Kieler/Innen an die Urnen gebeten. Dieses Mal geht es aber nicht um eine turnusmäßige Parlamentswahl, sondern um das Olympia-Referendum. Die Hanseatinnen und Hanseaten beider Städte möchten ihr Votum hinsichtlich der Bewerbung um die Austragung der XXXIII. Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 in Hamburg und Kiel abgeben.

Stimmungsbilder

„Weltrekord! Mehr als 10.000 Menschen haben in Hamburgs Stadtpark die Olympischen Ringe nachgebildet!“, postete die Pro-Olympia YouTube-Gemeinde „Feuer und Flamme für Spiele in Hamburg„. Genauer gesagt: Es waren mehr als 13.000 Teilnehmer. Obiges Video wurde am 08.11.2015 mit der Bitte hochgeladen, dass jeder helfen möge, dieses zu verbreiten. Das möchten wir hierdurch gern unterstützen.

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Wir brauchen Brot und Spiele

In Zeiten von Flüchtlings- und Regierungskrisen würden sowohl die Vorbereitung darauf als auch die Olympische Spiele im eigenen Land möglicherweise eine angenehme Abwechslung darstellen. Erinnern wir uns an die Fußball-Weltmeisterschaft „Das Sommermärchen“ von 2006. Deutschland hätte mal wieder die Welt zu Gast im eigenen Land.

Nach Berlin (in den Jahren 1916 und 1936) und München (1972) schickt sich nun die zweitgrößte Metropole Deutschlands, die Freie und Hansestadt Hamburg, an, die Olympischen und Paralympischen Sommer-Spiele 2024 in den Norden der Republik zu holen.Gemeinschaftlich mit der Hansestadt Kiel, denn dort soll der Austragungsort der Segelregatten sein, steht die Planung bereits. Nur an der Finanzierung hapert es noch.

Weltweit konkurrierende Bewerber für das Austragungsjahr 2024 sind unter anderen Los Angeles (USA), Paris (Frankreich), Budapest (Ungarn) und Rom (Italien). In Los Angeles, Paris und Rom waren in der Vergangenheit schon einmal Austragungsstädte der Olympischen Spiele, sodass Hamburg eine gute Chance hat, als Erstbewerber angenommen zu werden.

Das Hamburger Abendblatt titelte am 13.10.2015 „Hamburg erhält Zuschlag für die Box-WM 2017 – Zeichen für Olympia?„. Dieses Großereignis, die Box-Weltmeisterschaft, könnte man als Generalprobe für Olympia ansehen.

Das Konzept

Der Bewerbungsablauf

Die Homepage des Deutschen Olympischen Sportbund e.V. (DOSB) und Hamburg.de informieren sehr detailliert über den zeitlichen Ablauf der Austragungs-Bewerbungen. Wir fassen das Vergangene zusammen:

Seit dem 31. August 2014 tagten die Bewerbungsgesellschaft Hamburg zusammen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), um den DOSB vom Hamburger Konzept zu überzeugen. Hierzu mussten 13 Fragen des DOSB beantwortet werden.

Ein Workshop mit dem DOSB fand am 06. Oktober 2014 statt, mit dem Fazit, dass das Hamburger Konzept ein ambitioniertes und überzeugendes sei. Daraufhin entschied das DOSB-Präsidium einstimmig, dass Deutschland sich für die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 und gegebenenfalls auch 2028 bewerben soll. Ursprünglich waren Berlin und Hamburg im Gespräch.

Der zweite Workshop zwischen der Bewerbungsgesellschaft Hamburg und dem DOSB am 01.12.2014 zur Klärung der finanziellen Datailfragen, zum Beispiel: Die Notwendigkeit des Baus eines Olympia-Stadions und die Erweiterung der Infrastruktur – U- und S-Bahn-Ausbau, welche auch ohne die Olympischen Spiele erforderlich wären und realisiert werden müssten.

Folgende Beschlüsse wurden Anfang Dezember 2014 auf der 10. Mitlgiederversammlung des DOSB gefasst:

  1. Deutschland bewirbt sich mit Hamburg oder Berlin um die Austragung der XXXIII. Olympiade für 2024 und gegebenenfalls auch für 2028.
  2. Die Olympisch Agende 2020 findet Berücksichtigung.
  3. Die Bewerbung muss transparent und unter Einbeziehung der Bewohner der Bewerberstadt stattfinden. Es muss ein Referendum abgehalten werden.
  4. Das Präsidium des DOSB wurde beauftragt, die Entscheidung der Bewerberstadt zu fällen. Hierfür sollten Mitglieder der Sportfamilie und Vertreter aus Politik und der Gesellschaft zu Rate gezogen werden.

Erst ein Vierteljahr später, am 21. März dieses Jahres, fällt die Entscheidung auf Hamburg. Die „schöne Kühle“ im Norden wird Bewerbungskandidatin für die Austragung der XXXIII. Olympischen und Paralympischen Spiele 2024.

IOC: Die Agenda 2020 – Olympia soll schlanker werden

Am 08./09.12.2014 fanden Beratungen und die Bekanntgabe der neuen Reformen des International Olympic Committee (IOC) statt; die „Olympische Agenda 2020“ (deutsch) zur Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele. Hier finden Sie die englische Originalversion des IOC.

In diesem neuen Reglement des IOC geht es im Wesentlichen um folgende Ziele:

  • Nachhaltigkeit in allen Aspekten
  • Kostenreduktion in allen Bereichen
  • Geschlechtergleichstellung

Empfehlung 9

Rahmen für das Olympische Programm abstecken

Es werden Akkreditierungseinschränkungen festgelegt:

1. Das IOC beschränkt die Anzahl der Athleten, Funktionäre und Wettbewerbe für die Olympischen Spiele auf etwa:

  • 10.500 Athleten
  • 5.000 akkreditierte Trainer und Betreuer der Athleten
  • 310 Wettbewerbe

2. Das IOC beschränkt die Anzahl der Athleten, Funktionäre und Wettkämpfe für die Olympischen Winterspiele auf etwa:

  • 2.900 Athleten
  • 2.000 akkreditierte Trainer und Betreuer der Athleten
  • 100 Wettbewerbe

3. Das IOC prüft, inwieweit die Gesamtzahl weiterer Akkreditierungen für die Olympischen Spiele reduziert werden kann.

Thomas Bach, derzeitiger IOC-Präsident, bestätigte dann im Mai 2015 das Konzept der Freien und Hansestadt Hamburg mit folgenden Worten:

Das Hamburger Konzept von Nachhaltigkeit und Kompaktheit orientiert sich klar am Reformprogramm der olympischen Agenda 2020.

Die Skeptiker

Sowohl der Hamburger Senat also auch der DOSB stellten sich auch seinen Kritikern, TRANSPERENCY INTERNATIONAL Deutschland e.V., und vereinbarten am 05. September 2014 eine weitgehende Zusammenarbeit. Mehr als ein Jahr später (27. Oktober 2015) veröffentlicht der DOSB die neuen Verhaltensrichtlinien: Ein Good Governance Konzept, welches das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit ist.

Neben TRANSPARENCY INTERNATIONAL macht auch die Online-Plattform „Nolympia.de“ gegen die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 in Hamburg mobil. In erster Linie geht es Ihnen um Lobbyismus, horrende Kosten und das Zurückstellen wichtigerer Ausgaben zu Gunsten der Olympia-Planung. Ferner wird mangelnde Nachhaltigkeit in der Planung angeprangert und generell das Doping im Sport.

Die Kosten

Anfang Oktober 2015 präsentierten der Erste Bürgermeister der Hansestadt Hamburg Olaf Scholz (SPD), DOSB-Präsident Alfons Hörmann, Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) und Oberbaudirektor Prof. Jörn Walter das Olympia-Konzept interessierten Bürgerinnen und Bürgern im Cruise Center (Hamburg-Altona). In dieses Konzept flossen im Vorwege auch Anregungen der Hamburger Bevölkerung mit ein.

Die Veranstaltung stand unter dem Titel „Mit Hamburg für Deutschland“ und Bürgermeister  Scholz betonte, dass es eine große Verantwortung und Verpflichtung sei, dieses Event organisieren zu dürfen.

Der Masterplan der Senatskanzlei der Freien und Hansestadt Hamburg vergleicht die anfallenden Kosten mit den Ausgaben der Olympischen und Paralympischen Spiele 2012 in London wie folgt:

Im Ergebnis liegen die Kosten bis zu den Olympischen und Paralympischen
Spielen bei 11,22 Mrd. Euro (2024) unter Berücksichtigung der angenom-              menen Preissteigerung bis 2024. Die Einnahmeerwartungen liegen bei 3,81
Mrd. Euro (2024). Die nicht durch Erlöse gedeckten und von der öffentlichen Hand zu tragenden Ausgaben liegen mit 7,40 Mrd. Euro (2024) deutlich unterhalb der entsprechenden Zahlen für die Olympischen und Paralympischen
Spiele in London 2012.

Die Britische Regierung hat für die Spiele 2012 in London 6,248 Mrd. Britische
Pfund (2012) aufgewandt. Die Stadt London (Greater London Authority) hat zusätzlich 625 Mio. Britische Pfund (2012) beigetragen. In Euro umgerechnet und auf 2024 hochgerechnet entspricht dies einem Beitrag von 8,994 Mrd. Euro (2024) der Regierung und 940 Mio. Euro (2024) der Stadt.

Sicherlich sind 7,4 Milliarden Euro viel Geld. Dennoch würde sich die Investition, hinsichtlich der Instandsetzung und Modernisierung der Infrastruktur, Immobilien und Sehenswürdigkeiten, den Hansestädten gut tun. Hamburg und Kiel würden einer Frischzellenkur unterzogen.

SPON berichtete am 15.10.2015, dass der Bund dem Milliardenwunsch von Bürgermeister Olaf Scholz eine Absage erteilte:

Hamburgs Senat scheint ein Finanzierungsproblem für die Olympischen Sommerspiele 2024 zu bekommen. Wie das „Hamburger Abendblatt“, die „Welt“ sowie das „Handelsblatt“ übereinstimmend berichten, ist der Bund nicht bereit, die von Scholz geforderte Summe von 6,2 Milliarden Euro beizusteuern.

Bürgermeister Scholz versicherte, dass er keine Neuverschuldung für die Hansestadt eingehen werde. Die Gespräche zwischen dem Hamburger Senat und dem Bund gehen weiter. Als Ultimatum möchte Olaf Scholz im Frühjahr 2016 eine endgültige Entscheidung getroffen haben werden.

Vorteile für den Norden

Mögliche Zusatz-Erträge

Bisher fiel der Blick immer nur auf die Kosten. Niemand hat bisher geschätzt, wieviel Mehreinnahmen das Gastronomie- und Hotelgewerbe verbuchen könne. Ferner profitierte auch das Transportgewerbe wie Taxi-Unternehmer, die Hamburger Hochbahn AG und Die Bahn – einmal durch den Pendelverkehr zwischen Hamburg und Kiel und zum Zweiten von der City bis in den Speckgürtel – durch mehr Mobilität.

Jeder Bäcker, Imbiß, Kiosk, Supermarkt, Friseur und jede Boutique, Drogerie, oder jedes Café  etc.in Olympia-Stützpunkt-Nähe oder Innenstadtnähe würde von der Austragung nutznießen. Ebenso Lieferdienste für Speisen und Getränke.

Arbeitskräfte würden stärker nachgefragt und die Arbeitslosenquote der Nordregion Deutschlands sinken. Das entlastet die Sozialkassen und erhöht die Steuererträge. Diese indirekten, staatlichen Einnahmen wurden bisher nicht berücksichtigt.

Tourismus-Ankurbelung

Der weitaus weniger touristisch erschlossene Norden Deutschlands würde von diesem Mega-Sportereignis wie den Olympischen Spielen profitieren. Im außer-europäischen Ausland verbinden Menschen mit Deutschland vorwiegend München (Stichwort: Oktoberfest) und natürlich unsere Hauptstadt Berlin.

Olympia-Besucher, die von anderen Kontinenten nach Hamburg und Kiel kämen, würden sich in erster Linie die schönen Hansestädte anschauen, wahrscheinlich aber auch das Weltnaturerbe Wattenmeer, und/oder die Lüneburger Heide und/oder die Holsteinische Schweiz und/oder Mecklenburg-Vorpommern mit seinen herrlichen Seenplatten besuchen.

Die Nord- und Ostsee-Küsten samt der ost- und nordfriesischen sowie der Ostsee-Inseln würden in Punkto Besucherzahlen möglicherweise sogar auch noch von Olympia profotieren. Das möglicherweise auch noch Jahre in die Zukunft!

Lokaler Aufruf

Bitte, liebe Leserinnen und Leser aus Hamburg und Kiel, nehmen Sie an dem Referendum teil.

Gehen Sie bitte zur Abstimmung des Olympia-Referendums!

In Hamburg können Sie dieses Mal – im Gegensatz zu den Parlamentswahlen u.ä. – im ganzen Hamburger Stadtgebeit abstimmen. Egal wo Sie wohnen und egal wo Sie sich am 29.11.2015  befinden werden, Sie sind nicht an ein bestimmtes Wahllokal gebunden.

Über die folgende Links erhalten Sie eine Übersichtskarte und eine Auflistung der rund 190 Abstimmungsstellen auf dem gesamten Hamburger Stadtgebiet verteilt.

Quellen

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Über den Autor
Nicole HahnHerausgeberin und Redakteurin

wurde 1962 in Hamburg geboren. Sie gründete im Juli 2015 zusammen mit Andreas Hecht die Democratic Post und ist Mitglied der Redaktion.

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