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Leitartikel Flüchtlingsdebatte

Masseneinwanderung: Was Europa und Deutschland von Israel lernen können

Masseneinwanderung: Was Deutschland und Europa von Israel lernen können

Israel: Millionen von Juden aus aller Welt wanderten in das kleine Land ein.

Das kleine Land Israel nahm seit seiner Gründung Millionen Menschen aus aller Welt auf. Europa und Deutschland können aus der Einwanderungsgeschichte Israels Lehren ziehen zur Bewältigung der aktuellen Masseneinwanderung. Die Erfolgsgeschichte der Integration von Menschen aus aller Welt könnte durchaus für Europa als Beispiel dienen.

Die Bevölkerungsdichte eines Landes ist eine ziemlich flexible Angelegenheit, wenn man einen Blick auf die Geschichte Israels wirft. Lange Zeit dachte man, dass es unmöglich sei, die Auswanderung von Millionen Juden nach Palästina zu bewerkstelligen. Denn in dem Land wohnten vor circa 100 Jahren nur eine halbe Million Menschen, davon knapp ein Drittel Juden.

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Mittlerweile leben dort über 8,3 Millionen Menschen geschätzt (Stand 2014), darunter sind etwa 6,1 Millionen Juden und 1,7 Millionen Araber. Dazu kommen noch einige Millionen in den besetzten Gebieten. Betrachtet man diese Zahlen und den extremen Anstieg der Bevölkerung Israels, dann ist der relativ bescheidene Zuwachs an der Bevölkerung durch die aktuelle Masseneinwanderung in Europa noch kein Grund zur Panik.

Masseneinwanderung: Wie kann ein Land das wirtschaftlich verkraften?

Die wirklich interessante Frage ist natürlich, wie ein Land eine solche Massenweinwanderung wirtschaftlich verkraften kann, ohne darunter zusammen zu brechen. Auch hier dient die Geschichte Israels als Beispiel. Denn bis 1948 ungefähr fand eine Einwanderung von einer entwickelten Welt in eine unterentwickelte Welt statt. Im Anschluss zog Israel gleich.

Israel gelang es diese Einwanderungswelle gut zu verkraften, der Preis hierfür waren jedoch ansteigende soziale Anspannungen auf kosten der arabischen Bevölkerung der Region.

Richten wir unser Augenmerk auf die zweite Phase der Einwanderung nach Israel

Orthodoxer Jude beim Studium der Thora

Orthodoxer Jude beim Studium der Thora

Wenn man Parallelen zwischen der Einwanderung nach Europa und der nach Israel ziehen möchte, muss man das Augenmerk auf die zweite Welle des Zionismus, also der Einwanderung nach Israel richten. Das meint die Phase nach der Gründung des Staates Israel (1948) und danach.

Innerhalb von nur drei Jahren nach Gründung des Staates Israel wuchs die Bevölkerung von circa 800.000 Menschen auf 1,7 Millionen sprunghaft an. Der überwiegende Teil der neu dazu kommenden Menschen kam aus Asien und Afrika. Israel war zur damaligen Zeit wirtschaftlich sehr schwach ausgeprägt und benötigte Wirtschaftshilfe aus dem Ausland. Diese wurde zumeist von der jüdischen Solidargemeinschaft aufgebracht.

Eine weitere und sehr extreme Einwanderungswelle erlebte das kleine Land dann 1989. Zu den damals 4,5 Millionen Einwohnern kam noch eine ganze Million aus der ehemaligen Sowjetunion hinzu. Doch schon damals konnte das wirtschaftlich erstarkte Land diese Masseneinwanderung aus eigener Kraft bewältigen. Denn das Bruttosozialprodukt pro Kopf stieg beständig und glich sich schnell dem OECD-Durchschnittswert an.

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Europa und Deutschland können locker mehrere Millionen Menschen aufnehmen

Europa, Florenz

Europa, Florenz

Vor dem Hintergrund des kleinen Israels können die Europäische Union und auch Deutschland locker Millionen Menschen aufnehmen. Immerhin hat Europa etwa 500 Millionen Einwohner, Deutschland etwa 81 Millionen. Da fällt eine Million mehr oder weniger nicht wirklich ins Gewicht.

Natürlich erschweren Einwanderer in Länder mit einer hohen Arbeitslosenrate zwar das Problem. Doch schaffen sie auch Arbeitsplätze und kurbeln die Wirtschaft an, wie das Beispiel Israels zeigt. Kurzfristig werden jedoch definitiv Engpässe entstehen, diese Phase muss überwunden werden.

Engpässe werden sich besonders im Wohnungsbau bemerkbar machen, doch diese sind nach israelischer Erfahrung ebenfalls mittelfristig überwindbar. Ob jedoch bei der Masseneinwanderung nach Europa ausreichend gebildete Menschen mit Aussicht auf Arbeit vorhanden sein werden, wird di Zukunft zeigen müssen. Wenn dem so ist, wird der wirtschaftliche Vorteil für Deutschland mittel- und langfristig überwiegen.

Die Wertebasis: Die extremen kulturellen Unterschiede der Migranten

Lebensraum und Wirtschaft erscheinen zumindest mittelfristig kein Problem zu sein, hier ist keine Katastrophe zu befürchten. Doch mit den extremen kulturellen Unterschieden zwischen der deutschen Bevölkerung und der Migranten kann das schon ganz anders aussehen. Die von Bundespräsident Gauck angesprochene „gemeinsame Wertebasis“ ist das eigentliche Problem. Sprache, Religion und kulturelle Basis können problematisch werden.

Kann uns hier die Erfahrung Israels ebenfalls ein Beispiel sein?

Das Land Israel ist als ein Zufluchtsort für Juden aus aller Welt gedacht und konzipiert worden. Das Rückkehrgesetz von 1950 des kurz vorher gegründeten Staates Israel räumte jedem Juden das Recht aus Staatsbürgerschaft ein und macht es immer noch. Es findet immer noch keine Auslese statt, wer in das Land kommen darf und wer nicht. Alle Juden dieser Welt sind immer noch herzlich willkommen und bekommen ohne Umschweife die sofortige Staatsbürgerschaft.

Auch in Israel fand sich eine sehr gemischte Welt von Menschen zusammen, Juden unterschiedlicher Herkunft und kulturellem Background leben zusammen.

Es existieren große kulturelle Unterschiede zwischen uns und den Migranten

Natürlich kann man jetzt argumentieren, dass das Judentum der Klebstoff für das Zusammenleben in Israel ist. Dass es bedingt durch die gemeinsame Religion eben doch keine so großen kulturellen Unterschiede gibt, wie es bei einem christlich geprägten Europa und dem islamisch geprägten Hintergrund der Einwanderer der Fall ist.

Die Migranten kommen aus Ländern mit islamisch geprägtem Hintergrund zu uns. Viele Dinge in unserer Gesellschaftsform sind ihnen vollkommen unbekannt, zum Beispiel die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen, die Meinungsfreiheit, die demokratische Werteordnung, das nicht vorhandene Patriarchat und so weiter. Diese Menschen in unsere Gesellschaft zu integrieren ist die größte Herausforderung unserer Zeit.

Europa und Deutschland müssen sich für eine gut gelingende Integration der Flüchtlinge in anderen Ländern umsehen, denen es bereits gelungen ist. Es muss ein Rahmen geschaffen werden, der die Aufnahme und Integration dieser Menschen anderen kulturellen Hintergrunds erlaubt und verkraftet. Als Vorbild könnten uns hierfür die USA dienen.

Parallelgesellschaften unerwünscht

Wir Deutschen müssen mit aller Macht die Bildung von sogenannten Parallelgesellschaften verhindern. Natürlich müssen die Einwanderer den Wunsch nach Bildung dieser auch aufgeben, mit passenden Unterrichtseinheiten in Staatsbürgerkunde könnte man dieses Problem lösen.

Zuallererst muss ein Erlernen der deutschen Sprache für jeden Migranten Pflicht sein, denn die Sprachbarrieren müssen als erstes fallen. Die nach Israel einwandernden Neubürger beherrschten mehrheitlich die Landessprache Hebräisch nicht. Man verpflichtete daher die Einwanderer zu einem Besuch von staatlichen Sprachschulen (Ulpan), um die erste Hürde der Integration zu beseitigen. Genau das muss auch in Europa geschehen. Die Besuche müssen Pflicht sein und ein Abschluss gefordert werden, bevor man einen Asylantrag bewilligt.

Eine Schmelztiegelpolitik wie in Israel ist vielleicht nicht die richtige Lösung, denn sie kann durchaus zu erhöhten Spannungen führen. Auch ein Gutmenschen-Multi-Kulti-Gebrabbel wird nicht der richtige Weg sein. Doch Europa und ganz besonders Deutschland können aus der eigenen Erfahrung mit Gastarbeitern und Migranten lernen. Auch Israels Erfahrung oder die der USA können hierbei nützlich sein.

Eine unabdingbare Werteordnung für die Einwanderer

Der wohl wichtigste Punkt, ich wiederhole mich gerne: Es muss eine unverhandelbare, unabdingbare Werteordnung geschaffen werden für die Einwanderer und Asylbewerber.

Diese sollten gleich bei Einreise in Deutschland eine übersetze Version der wichtigsten und unabdingbarsten Punkte unseres Grundgesetzes erhalten. Folgende Punkte sollten unter anderem aufgeführt werden: Toleranz, Religionsfreiheit, Demokratie, Menschen und Bürgerrechte, Gleichberechtigung der Frau in allen Bereichen und Gesetzgebung durch das Parlament und eben nicht durch den Propheten.

Im Anschluss an die Lektüre dieser „Verfassung light“ sollten die einzelnen Punkte abgefragt werden, um zu kontrollieren, ob die muslimisch geprägten Zuwanderer diese auch verinnerlicht haben. Im Anschluss lässt man die Flüchtlinge dann auf unser Grundgesetz schwören.

In diesem Punkt ist Israel nicht wirklich als Vorbild tauglich, man denke an die israelischen Araber, die nicht wirklich als integriert angesehen werden können. Zuviel Gewalt herrscht zwischen den Arabern und den Israelis.

Die Verfassungstreue ist das entscheidende Kriterium

Wenn die Verfassungstreue das entscheidende Kriterium für eine erfolgreiche Integration in unsere Gesellschaft ist, dann kann auch eine ethisch gemischte Gesellschaft sehr gut funktionieren und Beständigkeit zeigen.

In beiden Ländern, Israel wie auch Deutschland, ist das sehr gut an der Zusammensetzung der Fußball-Nationalelf auszumachen. Beide Mannschaften setzen sich aus einem Gemisch an Ethnien zusammen. Auch in der israelischen Elf spielen mittlerweile Araber oder Menschen mit Migrationshintergrund. Ebenso in der deutschen Nationalelf, die viele Spieler anderer Kulturkreise vereint.

Die Religion ist die größte Schwierigkeit bei der Umsetzung

Die größte Schwierigkeit bei der Umsetzung einer homogenen Gesellschaft mit unterschiedlichen religiösen Hintergründen ist, wie könnte es anders sein, die Religion. In Israel war die gemeinsame Religion der Garant des Zusammenhalts bei der Masseneinwanderung von Juden. Allerdings geschah das auf Kosten der israelischen Araber und auf Kosten der Aufnahmebereitschaft von Flüchtlingen. Denn Israel weigert sich immer noch standhaft, einen einzigen Flüchtling aufzunehmen. Und das trotz einer direkten Grenze zu Syrien.

Ein neues Europa muss her – wieder einmal

Europa hat sich in seiner Geschichte schon oftmals geändert. Nichts bleibt auf Dauer so, wie man es gewohnt ist. Das ist auch gut so, denn das nennt sich Evolution, Weiterentwicklung. Ein Baum stirbt, wenn er nicht weiter wächst, mit Ländern oder Zusammenschlüssen von Ländern kann das ebenfalls als gegeben angesehen werden.

Natürlich wird es in der ersten Zeit noch Anpassungsschwierigkeiten geben. Die Ewiggestrigen und die Rechten wollen schließlich auch eine Chance haben. Doch das wird nicht der Dauerzustand sein, mittelfristig wird sich ein neues, erstarktes Europa bilden, das seine Anpassungsprobleme überwunden haben wird.

In seiner Geschichte hat sich Europa schon sehr oft umstrukturiert und neu gebildet. Man denke da an die französische Revolution und den Zweiten Weltkrieg. Beide Ereignisse haben tiefe Spuren hinterlassen und nichts war mehr so wie zuvor. Und doch sind die Menschen immer wieder mit solchen Umstrukturierungen zurechtgekommen und haben die daraus entstehenden Probleme bewältigt. Dabei ist stets die Verfassung Basis der Wandlung, nichts anderes.

Niemals dürfen aber die nationale und religiöse Rhetorik oder aber die Alltagsgebräuche die Hauptrolle übernehmen, denn dann sinkt die Chance auf Bildung eines neuen, homogenen Europas drastisch.

Es ist unser aller Pflicht, sich auf Neues einzustellen und immer wieder daran zu arbeiten, eine demokratische Ordnung und neu gebildete Gesellschaft auf Basis einer gemeinsamen Verfassung zu schaffen und aufrecht zu erhalten. Mittelfristig werden wir dann auch Erfolg haben.

Videos zum Beitrag:

Brigitte Meier Sozialdezernentin SPD-Konferenz 15. September im Berliner Reichstag

https://youtu.be/ieIervPGPFo

Henryk M. Broder zur Flüchtlingsdebatte: Wer nur Mitleid empfindet, der hat keinen Verstand!

Quellen:

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Über den Autor
Andreas HechtHerausgeber und Redakteur

geboren 1968 in Bremen. Er gründete im Juli 2015 zusammen mit Nicole Hahn die Democratic Post und ist Mitglied der Redaktion. Journalistische Arbeit u.a. bei "Dr. Web Magazin", "NEOPresse" und "Huffington Post", nebenbei Autor mehrerer E-Books zu den Themen Lebenshilfe, Marketing und WordPress.

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Ein Kommentar

  1. MIGRANT schrieb :

    Ach und wieso nimmt denn das sichere Israel heute keinen einzigen Flüchtling auf? Die sind direkter Nachbar und könnten einiges abnehmen aber das tun sie nicht! Nicht einen einzigen! Kritisiert wird Israel nicht, trotz der Tatsache das viele europäischen Länder genauso denken! Jedoch sind diese dann faschisten, also ist folgedessen auch Israel?