Democratic Post

Kritische Texte und kontroverse Meinungen

Essay Den Deutschen fehlt der Mut!

Olympia in Hamburg: Müssen wir das „Ja!“-Sagen erst wieder lernen?

Hamburg: Elbphilharmonie 2015

Hat Sie den Ausschlag gegeben?

Vor zwei- bis dreihundert Jahren waren wir das Volk der »Dichter und Denker« mit Visionen und Idealen! Heute sind wir das Volk der „Nein!“-Sager und Pessimisten! Wann immer das Volk in direkter Demokratie gefragt wurde – zum Beispiel per Volksbescheid oder per Referendum – fast immer kommt oder kam dabei eine ablehnende Haltung heraus.

Wie zuletzt in Hamburg bei der Abstimmung bezüglich der Olympia-Bewerbung: Knapp 52 Prozent der rund 1,3 Millionen Wahlberechtigten stimmten gegen die Bewerbung zur Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 in der Hansestadt Hamburg.

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Olympia: Eine einmalige Chance ist vertan

Die einmalige Chance, aus der Hansestadt Hamburg eine Welt-Metropole zu machen, stattdessen wird sie nur weiterhin durch ihr eigenes „Tor zur Welt“ blicken dürfen, wurde am vergangenen Sonntag vertan. Diese Möglichkeit wird auch so schnell nicht wiederkommen.

Der SPIEGEL titelte gestern „Reaktionen zum Olympia-Referendum: Geschockt, enttäuscht, begeistert“ und besser kann man es nicht ausdrücken, denn die Ja-Abstimmer trennen rund 36.000 Stimmen vom

Zuerst München und jetzt Hamburg

Deutschland möchte keine Olympischen und Paralympischen Spiele im eigenen Land!
Das muss die Schlußfolgerung aus dieser zweiten Ablehnung in Folge zwangsläufig lauten.

Woran hat es gelegen? Hatten sowohl Politik als auch Sportfunktionäre die Stimmung in Hamburg so falsch eingeschätzt? Eigentlich nicht, denn in Kiel votierten die Bürger m/w mit 65 Prozent für die Austragung der Segelwettbewerbe in ihrer Hansestadt.

Folgende Faktoren kann ich mir vorstellen:

  • Keinen zweiten Schuldenberg nach dem Desaster mit der Elbphilharmonie;
  • Keine eindeutige Kostenübernahmezusage durch den Bund
  • Die Terrorgefahr, wie kürzlich in Paris (Frankreich) erlebt;
  • Die FIFA-Skandale um die korrupten Funktionäre;
  • Angst davor, dass die Kosten über den Kostenvoranschlag hinauswachsen könnten;
  • Dopingskandale bezüglich vieler Spitzensportler

Ein Argument der Olympia-Gegner habe ich immer wieder vernommen: „Es gibt so viele andere Baustellen in Hamburg (Turnhallen, Schulsport, Sportplätze uvm.), dass das Geld dort besser investiert werden solle. Für Olympia ist gar nicht genug Geld da.“

Die Bürgerinnen und Bürger, die so denken oder gedacht haben, haben sich nur leider verrechnet, denn es wird kein zusätzliches Geld nach Hamburg fließen – weder vom Bund noch vom Internationalen Olympischen Committée (IOC). Geplante Infrastrukturprojekte werden nicht realisiert werden können. Der Hamburger Senat unter der Leitung des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz (SPD) werden weiterhin die Löcher stopfen müssen, die die Hamburger Regierung unter Ole von Beust (CDU) ihnen hinterlassen hat.

Hier der Beleg für meine Thesen:

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Ist die Demografie Schuld?

Ja, ist sie. Mein erster Gedanke galt den Wählerinnen und Wählern, die die 65 Jahre bereits überschritten haben. Diese Wählergruppe hat prozentual den größten Anteil und stimmt tendentiell eher konservativ, ablehnend und sicherheitsdenkend ab. Je älter ein Mensch wird, desto größer werden die Angst und das Sicherheitsbedürfnis in Folge verschwindender, eigener Kräfte.

Aus diesem Grund werden die 16- bis 25-jährigen Wahlberechtigten m/w immer von den „Älteren“ und „Alten“ überstimmt und seit zwei Legislaturperioden hängen wir regierungstechnisch in einer großen Koalition fest. Weder die Parteien rechts der Mitte noch die links davon erhalten eine regierungsfähige Mehrheit.

Das schadet der Demokratie, denn die Opposition der Regierungskoalition ist so verschwindend klein und damit machtlos, sodass unsere derzeitige Bundeskanzlerin wie eine Königin herrschen kann. Abgesehen einmal davon, dass daraus eine Politikverdrossenheit der „Jugend“ resultiert, die nicht weiter verwunderlich ist, denn gegen das Diktat der Ängstlichen und Sicherheitsbedürftigen ist ja kein Gegenankommen.

Ich frage mich ohnehin, warum Menschen beim Olympia-Referendum mit abstimmen durften, deren Existenz in neun Jahren gar nicht mehr gesichert sein wird? Dennoch muss ein jeder sich fragen, wo denn die Altersgrenze hätte liegen können. Ein Richtwert hätte die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern und Frauen in Deutschland sein können, also:

Im Jahr 2015 beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung neugeborener Jungen 77 Jahre und 9 Monate (2010: 77 Jahre und 4 Monate). Die entsprechende Zahl für neugeborene Mädchen lautet 82 Jahre und 10 Monate (2010: 82 Jahre und 6 Monate).

Steuerung durch „Die Linke“?

Die Forderung nach einem Rücktritt des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz (SPD), ist ja derart abwegig und übertrieben, dass mir die Worte fehlen. Hierfür zeichnet die Partei „Die Linke“ auf ihrer Homepage“ verantwortlich, wie sie auf ihrer Homepage titelt:

Hamburg sagt Nein zur Olympia-Bewerbung

Trotz einer monatelanger Pro-Olympia-Kampagne die vom Senat, Bürgermeister Scholz und prominenten Befürwortern aus Sport und Wirtschaft unterstützt wurde, liessen sich die Hamburgerinnen und Hamburger nicht täuschen. Das politische Betrugsmanöver ist gescheitert. Für Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz ist das Ergebnis zweifellos eine herbe Enttäuschung. Der Erste Bürgermeister der zweitgrößten Stadt Deutschlands hatte sich sehr persönlich engagiert und immer wieder die Bedeutung eines derartigen Sportereignisses für die Entwicklung der Stadt betont. Die Entwicklung einer Zukunftsperspektive für die Stadt und die Metropolregion ist die große..

Endlich hat „Die Linke“ (ehemals SED/PDS – DDR-Sozialistenkader) einmal ihr wahres Gesicht gezeigt. Mit ihrer Hetze gegen alles Kapitalistische und der Manipulation der kleinen Leute und in den Schulen gegen eine großartige Chance zum Mittelpunkt der Welt zu werden. Mit dieser leninistisch-marxistischen Politik spaltet die Partei der „Linken“ die Gesellschaft nur noch mehr. Nach Dr. Gregor Gysi und Sarah Wagenknecht hat diese Partei lokal anscheinend nicht mehr viel zu bieten.

Die Bewerbung der Hansestadt Hamburg – gemeinsam mit der Hansestadt Kiel – um die Olympischen Spiele 2024 ist nicht auf Olaf Scholz‘ alleiniger Initiative entstanden. Als Bürgermeister der zweitgrößten Stadt Deutschlands ist er verpflichtet auch die sportlichen Andersdenkenden zu unterstützen.

Der Erste Bürgermeister Scholz hat lediglich die lokalen und deutschen Initiatoren unterstützt, wie zum Beispiel den Hamburger Sportbund, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und viele Sportaktive mehr. Vor dem Referendum waren die Mehrheitsverhältnisse nicht eindeutig erkennbar. Insofern war es nicht klar, dass Herr Scholz die Interessen einer Minderheit vertrat.

Das Volk hat lediglich über die Austragung eines der größten Sportfeste der Welt in Hamburg entschieden und nicht den Senat abgewählt!

Mein persönliches Fazit

Nehmen wir uns ein Beispiel an den Franzosen: Dort geht das Leben ohne viel Pessimismus weiter. Zum Klimagipfel ist nahezu die ganze Welt zu Gast – und das nach zwei Anschlägen in einem Jahr! Respekt!

Hätten Rudi Dutschke & Co. Ende der 1960er Jahre so gedacht und gehandelt wie wir heute, dann würden wir immer noch im spießigen Mief des Mittelmaßes und des Kleinbürgertums in Deutschland sitzen. Meines Erachtens bedarf es eines Quantums Zivilcourage und Risikos, um sich selbst und sein Land weiter zu bringen.

Frankreich-Flagge

Vive la France! – Egalité! Liberté! Fraternité!

Quellen

  • flickr.com: Titelbild von Marnie Pix; Creative Commons Lizenz Attribution-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-ND 2.0)
  • flickr.com: Frankreich-Flagge von Chris; Creative Commons-Lizenz Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0)
  • Wikipedia.org
  • Spiegel.de /SpiegelTV
  • spd.de
  • die-linke-hamburg.de

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Über den Autor
Nicole HahnHerausgeberin und Redakteurin

wurde 1962 in Hamburg geboren. Sie gründete im Juli 2015 zusammen mit Andreas Hecht die Democratic Post und ist Mitglied der Redaktion.

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