Democratic Post

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Soziales Trennung von Arbeit und Geld

Befreit vom Existenzdruck: Ein bedingungsloses Grundeinkommen für jedermann

Frei vom Existensdruck: für ein bedingungsloses Grundeinkommen für Jedermann

Befreit von finanziellen Sorgen hätten wir mehr Freiheit, die Dinge zu tun, die uns glücklich machen

1.000 Euro im Monat. Ohne Gegenleistung und Bürokratiezwang für jedermann. Befreit vom Existenzdruck hätten wir mehr Freiheit, die Dinge zu tun, die uns glücklich machen. Was sich wie eine Utopie anhört, hat knallharte Vorteile für das Volk und den Staatsapparat.

Zugegeben, in Deutschland ist ein bedingungsloses Grundeinkommen noch absolute Utopie, fast gleichzusetzen mit kleinen grünen Männchen vom Mars. Doch andere europäische Staaten sehen das vollkommen anders, denn es hat gewaltige Vorteile für Staat und Volk.

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Das Konzept findet auch in Deutschland immer mehr Anhänger, darunter auch erfolgreiche Unternehmer wie dm-Gründer Götz Werner  bis zu Telekom-Chef Timotheus Höttges.

Die Schweiz und Finnland denken über ein BGE eingehend nach

Die Schweiz und auch Finnland sind da wesentlich wagemutiger als Deutschland. Denn im Juni wird die Schweiz über ein BGE (bedingungsloses Grundeinkommen) entscheiden. Die Volksinitiative in der Schweiz hatte mehr Stimmen als jedes andere Anliegen seit 1891 bekommen. Das zeigt deutlich, wie wichtig dem Volk ein solches Einkommen wäre. Aber auch Finnland denkt über ein solches Experiment nach, weil es sein unübersichtliches Sozialsystem aufräumen möchte.

Natürlich gibt es auch Kritiker. Die einen sehen den Sozialstaat gefährdet, die anderen denken, dass die Menschen faul werden würden. Doch wäre das wirklich der Fall? Wir reden hier schliesslich von 1.000 Euro im Monat. Das reicht vielfach nur für die Miete.

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Würden die Menschen faul werden mit 1.000 Euro BGE?

1.000 Euro sind eine nette Summe. Sie ist gerade so hoch, dass es die Menschen vor einer immerzu drückenderen Existenznot rettet. Sicher könnte so manch einer davon leben. Auch sicher ist, dass diejenigen, die jetzt nicht arbeiten wollen, das auch in Zukunft nicht täten. Vielleicht würden diese Menschen in den Süden ziehen und die Sonne genießen. Es sei ihnen gegönnt, denn auch arbeitsfaule Menschen würden mit einem bedingungslosen Grundeinkommen das Leben besser genießen können, und ändern würde sich in dem Fall ja nichts, da sie auch jetzt schon nicht arbeiten wollen.

Die große Masse jedoch würde auch weiterhin arbeiten wollen und müssen. Denn 1.000 Euro sind toll, jedoch in vielen Fällen nicht ausreichend. In den Städten zahlt eine Familie locker 1.000 Euro Miete, und das nicht in den besten Gegenden. Sogar auf dem Land zahlt man für eine familiengerechte Wohnung einen Tausender im Monat an Miete. Doch zumindest die Miete wäre dann gedeckt.

Um wieviel freier wäre das Arbeitsleben mit einem Grundeinkommen

Endlich das Leben genießen ohne Existenzdruck!

Endlich das Leben genießen ohne Existenzdruck!

Wem 1.000 Euro monatlich als bedingungsloses Grundeinkommen nicht reicht, der müsste auch weiterhin einer Arbeit nachgehen. Doch der Arbeitsalltag würde sehr viel freier, weniger belastend und angenehmer sein. Der ewige, krankmachende Existenzdruck wäre mit einem Male verschwunden und man könnte viel freier einer Arbeit nachgehen.

Existenzdruck macht erwiesenermaßen krank!

Leistungsdruck, Zukunftsangst und Existenzdruck macht erwiesenermaßen krank. Depressionen, Burnout, Panikattacken, Magengeschwüre sind nur einige Krankheiten, die psychosomatisch sind. Körper, Geist und Psyche beeinflussen sich gegenseitig. Wenn die Seele leidet, leidet auch der Körper. Psychische Probleme äußern sich deshalb oft in körperlichen Beschwerden. Psychosomatische Erkrankungen sind die am weitesten verbreiteten Krankheiten in Deutschland.

Zwar haben wir in Deutschland so wenig Arbeitslose wie seit 24 Jahren nicht mehr, jedoch bieten befristete Verträge und Zeitarbeit vielen Angestellten kaum finanzielle Sicherheit. Viele Menschen wünschen sich zudem mehr Selbstverwirklichung und Erfüllung im Job.

Ohne den immerwährenden Kampf gegen die finanziellen Sorgen wären sehr viele Menschen wesentlich leistungsfähiger und könnten daher bessere Leistungen im Beruf erbringen. Zudem würden auch die Krankenkassen um die Ausgaben für psychosomatische Krankheiten in großen Teilen erleichtert werden.

Der ewige Existenzdruck macht uns krank, Depressionen und Burnout sind die Folge.

Der ewige Existenzdruck macht uns krank, Depressionen und Burnout sind die Folge.

Die Vorteile für den Bürger

Ein staatliches, bedingungsloses Grundeinkommen würde die Sozialleistungen wie das Arbeitslosengeld, das Arbeitslosengeld II, das Kindergeld und die Rente ersetzen. Das ist durchaus kein Widerspruch zu unserem Sozialstaat, sondern nur die logische Fortführung. Es gäbe keinerlei staatliche Willkür mehr, keine Prüfung, keine Erklärungen, keine Anträge. Einfach jeder hätte unabhängig von seinen Lebensumständen ein Anrecht auf das BGE. Keiner müsste sich mehr vor Behörden erklären oder rechtfertigen. Denn diese Behörden wären überflüssig.

Die Vorteile für den Staat

Sämtliche Behörden, die zurzeit mit den Themen Arbeitslosengeld I und II, Kindergeld, Sozialleistungen, Renten, Krankenleistungen und ähnlichem beschäftigen, wären bei einem BGE überflüssig. Hier könnten genau die Milliarden Euro eingespart werden, die das bedingungslose Grundeinkommen kosten würde. Voraussichtlich spart man sogar noch Geld dabei, doch das müsste gut durchgerechnet werden. Selbst wenn das BGE mehr kosten würde, so würde dieses Geld wieder durch eine stärker werdende Wirtschaft (durch gesündere und motiviertere Angestellte) locker wieder hereinkommen. Die Vorteile überwiegen die Nachteile eindeutig.

Die Vorteile für die Wirtschaft

Auch die Wirtschaft hätte handfeste Vorteile von einer solchen Regelung. Sie würde mit der Zeit gesündere und motiviertere Angestellte und Arbeiter bekommen. Befreit vom Existenzdruck würde die tatsächliche Arbeitsleistung steigen. Es wären auch weniger Fehlzeiten durch Krankheit zu verzeichnen, denn der Krankheitsverursacher Nummer eins wäre nicht mehr vorhanden.

Im diesem Zusammenhang sollte auch über die Schaffung neuer Arbeitsplätze nachgedacht werden, denn die Masse der Deutschen wird einen Zuverdienst suchen und arbeiten wollen und auch müssen. Der stark diskutierte Mindestlohn könnte schnell wieder abgeschafft werden, denn ein nicht unerheblicher Teil des zu erhoffenden Einkommens ist ja bereits vorhanden. Die Wirtschaft braucht daher Erleichterungen, um schnell neue Jobs schaffen zu können.

Gerade im Niedriglohnsektor muss der Mindestlohn daher abgeschafft werden, damit bildungsferne Schichten schnell einen Job finden können. Das könnte die Bereiche Kneipen und Restaurants, Frisöre, Wachdienste und ähnliche meinen. Also alle Bereiche, die heute einen Mindestlohn zahlen müssen.

Das bedingungslose Grundeinkommen – nur Fiktion?

Nicht so ganz. Denn für einige Menschen in diesem Land ist das BGE bereits Realität. Und Realität könnte es auch für Sie werden. 1.000 Euro jeden Monat – ohne Gegenleistung. Das ermöglichte ein Berliner Verein mittlerweile 29 Menschen. Das Konzept funktioniert so: Immer wenn 12.000 Euro durch Spenden zusammengekommen sind, wird das Geld verlost und in zwölf Monatsraten auf das Konto eines glücklichen Gewinners überwiesen. Wer spendet, wird automatisch zum Anwärter auf ein Jahr bedingungsloses Grundeinkommen.

Mein Grundeinkommen“ ist ein Experiment, das einigen Menschen bereits jetzt ein bedingungsloses Grundeinkommen ermöglicht. Michael Bohmyer startete die Initiative im Sommer 2014. Für ihn ist das BGE keine Utopie, sondern die Zukunft: „Ich glaube, dass es unabdingbar ist. Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist schon im vollen Gange und unsere Jobs sind nicht mehr sicher.“

Man kann durchaus davon ausgehen, dass in der Zukunft mehr Jobs von Maschinen übernommen werden. Dadurch würden natürlich auch Arbeitsplätze verloren gehen.

„Irgendwann wird es eine Trennung von Arbeit und Geld geben müssen.“
Michael Bohmeyer, Gründer von „Mein Grundeinkommen“

Noch sind es freiwillige Spender, die für das Grundeinkommen anderer Privatpersonen aufkommen müssen. Wir können nur hoffen, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen für jedermann bald die Realität werden wird. Das wäre dann der Sozialstaat 2.0.

Link zur Initiative „Mein Grundeinkommen“ »

Das Video zum Thema:

Dm-Gründer Götz Werner zum BGE.

Quellen

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Über den Autor
Andreas HechtHerausgeber und Redakteur

geboren 1968 in Bremen. Er gründete im Juli 2015 zusammen mit Nicole Hahn die Democratic Post und ist Mitglied der Redaktion. Journalistische Arbeit u.a. bei "Dr. Web Magazin", "NEOPresse" und "Huffington Post", nebenbei Autor mehrerer E-Books zu den Themen Lebenshilfe, Marketing und WordPress.

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