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Essay Ein Ende des Terrors?

Der Islamische Staat: Zieht er sich angeschlagen in den Libanon zurück?

Der Islamische Staat scheint angeschlagen zu sein und muss sich in den Libanon zurückziehen.

Der Islamische Staat scheint angeschlagen zu sein und muss sich in den Libanon zurückziehen.

Nun, da syrische Kräfte die historische Stadt Palmyra befreit haben, dankte Präsident Assad dem russischen Präsidenten Wladimir Putin für die Unterstützung im Kampf gegen den „Islamischen Staat“  und andere „Terrorgruppierungen“ in der Region, die er als „implantierte“ Kräfte des Westens, Saudi-Arabiens, Katars und der Türkei ansieht. Der Islamische Staat ist verwundbar.

Dies ist ein Gastartikel des freien Autors Martin Podlasly.

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Wird der Islamische Staat für Verteidigungsetats missbraucht?

Nach den neuerlichen Siegen gegen die Kämpfer des „IS“, ist der Mythos der Unbesiegbarkeit der Terrormiliz stark angeschlagen und die jüngste Vergangenheit hat klar aufgezeigt, dass, wenn man dem „IS“ stark und mit aller militärischer Härte gegenübertritt, dieser durchaus in relativ kurzem Zeitraum zurückgedrängt werden kann.

Ebenso offensichtlich ist das geringe Interesse des Westens geworden, den „Islamischen Staat“ endgültig und verbindlich zu besiegen. Die USA und Präsident Obama vermeiden immer noch den Begriff „islamistischer Terror“ in den Mund zu nehmen und haben diesen sowohl aus dem medialen Gebrauch gestrichen, wie sie auch ihre Verbündeten anweisen, dieses zu unterlassen. Das musste jüngst auch der französische Präsident Francois Hollande erfahren, als entsprechende Aussagen seinerseits der us-amerikanischen Zensur zum Opfer fielen.

So dient der „IS“ in vielen verschiedenen Teilen der Welt wohl immer noch zahlreichen Zwecken. In Europa verbreitet sich zunehmende Angst und Frustration und so werden hohe Verteidigungs-und Geheimdienstetats gerechtfertigt. Hohe Sicherheitsstandards, Notstandsgesetze und groteske Überwachungsmaßnahmen berufen sich auf die allgegenwärtige Gefährdungslage. Eine anhaltende Propaganda unterwandert den russischen und auch kurdischen Erfolg beim Kampf gegen den „IS“.

Der Libanon: Zellen des Islamischen Staats sind bereits vor Ort

Fakt ist, der „Islamische Staat“ wird immer weiter zurückgedrängt. In Syrien, aber auch im Irak. Inzwischen mehren und verdichten sich die Stimmen, dass es für den „IS“ am einfachsten und sichersten wäre, in einem anderen Land Zuflucht zu suchen und neu Stellung zu beziehen: dem Libanon. Einfach auch, weil der „IS“ bereits dort vor Ort ist! Zellen gibt es im ganzen Land, von der Bekaa-Ebene bis hin zu den vornehmeren und nicht immer muslimischen Vororten von Beirut.

Historisch sind Syrien und der Libanon eng verbunden und der rege Transit von Menschen ist in der Vergangenheit immer konstant und erheblich gewesen. Als der Krieg in Syrien begann, flüchteten Hunderttausende auch in den Libanon. Arme und Reiche, teils untergebracht in behelfsmäßigen Lagern oder auch in noblen Wohnungen auf dem Beiruter Corniche.

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Der Islamische Staat auf Rückzug in den Libanon

Der Islamische Staat richtet Aleppo zugrunde, hier die Stadt nach einem Bombenanschlag durch die Truppen Assads.

Der Islamische Staat richtet Aleppo zugrunde, hier die Stadt nach einem Bombenanschlag durch die Truppen Assads.

Offiziell sind in dem kleinen Land Libanon mit rund 4,5 Millionen Einwohnern, 1,5 Millionen Flüchtlinge untergebracht. Darunter viele Syrer, aber auch Iraker und andere Nationalitäten. Zusätzlich sind nach Angaben des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) 450.000 dauerhafte palästinensische Flüchtlinge im Libanon. Zu besonderen zeitlichen Abschnitten und zunehmenden Kampfhandlungen während des syrischen Konfliktes, stieg die Anzahl der Flüchtlinge im Libanon teilweise sogar auf über 2 Millionen Menschen.

Die  Grenzkontrollen waren in der Vergangenheit oft eher sporadisch und locker. Mit den Flüchtlingen kamen auch viele Dschihadisten des „IS“, der „Al-Nusra-Front“ und anderer Gruppierungen, die ihren Nutzen aus der Situation zogen.

Der IS strebt Neuformierung im Libanon an

Die Zielsetzung dieser vorbereitenden Kräfte ist eindeutig. Es geht um die Schaffung von einsatzfähigen Zellen und Umgruppierungen innerhalb des Libanon, um loszuschlagen, wenn es der richtige Zeitpunkt gebietet. Aus dem inneren Führungskreis des „IS“ wurde häufiger der Traum von der Errichtung eines weiteren Kalifats im Norden des Libanon propagiert, vorzugsweise mit einem direkten Zugang zum Mittelmeer.

Der Libanon bietet in seiner jüngsten Geschichte hierfür einen idealen Nährboden, denn er ist ein extrem schwacher Staat geworden. Fast mehr als zwei Jahre ist das Land nicht im Stande gewesen einen Präsidenten zu wählen. Die Regierungsarbeit wirkt wie gelähmt, Wasser- und Stromversorgung sind mangelhaft. Es gibt kaum ein öffentliches Bildungs- und Transportwesen. Korruption ist allgegenwärtig.

Eine weitere Terrororganisation ist im Libanon vertreten

Immer wieder ist das Land durch einen Einmarsch israelischer Truppen bedroht. Die libanesische Armee und die Hisbollah mischen sich teilweise im syrischen Grenzgebiet in Gefechte ein, jedoch ist das libanesische Militär chronisch unterbesetzt, schlecht bewaffnet und unzureichend ausgebildet. Nur die Hisbollah ist die starke militärische, sozial- und ideologische Kraft im Libanon, der es bislang auch noch gelingt außenstehende Terrorgruppierungen zu bekämpfen und aus dem Libanon fernzuhalten.

Außerdem stützt die Hisbollah große Teile der armen libanesischen Bevölkerung und wird hierfür sehr respektiert. Da die Hisbollah aber vom Iran und der syrischen Regierung unterstützt wird und für ihre eigenen, „mörderischen“ Aktionen bei den westlichen Bündnispartnern in Verruf geriet, ist auch diese von den Westmächten und den pro-westlichen Staaten der Arabischen Liga, sowie Israel, klar als Terrororganisation deklariert worden. Die libanesische Regierung und der Irak lehnten es bisher vehement ab die „Hisbollah“ auf die Terrorliste zu setzen.

Der Libanon ist gegenüber dem Westen, der Arabischen Liga und internationalen Organisationen im zunehmenden Maße sehr kritisch. Dies begründet sich nicht zuletzt aufgrund eines doppelten Moralkodex in der sogenannten Flüchtlingskrise. So verwies der libanesische Außenminister Gebran Bassil am 26.März bei einem Besuch von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Beirut daraufhin, dass die westliche Welt zuerst einen Krieg mit Millionen von Flüchtlingen verursacht hat und dann die Zustände anprangere, wie diese Flüchtlinge untergebracht und versorgt werden.

Parteien in Koalition mit der Hisbollah

Tatsächlich befindet sich die Partei von Außenminister Bassil in einer Koalition mit der Hisbollah. Bassil lehnte es sogar ab, den UN-Generalsekretär persönlich zu treffen. Im Gefolge des hochrangigen Besuches befanden sich auch der Präsident der Weltbank Jim Jong Kim und die EU-Vertreterin für Außen-und Sicherheitspolitik Federica Mogherini. Die nicht öffentliche Sitzung der Vereinten Nationen in Beirut ergab im Endergebnis keine wesentlichen neuen Erkenntnisse oder Konkretisierungen für den Nahen Osten. Während die Türkei und andere Staaten Milliarden Dollar und EURO-Zahlungen im Rahmen der Flüchtlingskrise erhalten, wird der Libanon stets mit guten Worten vertröstet.

Die letzten Infrastrukturen im Libanon sollen zerstört werden

Einige Nahost-Experten sind der Meinung, dass es einen Grund gibt, letzte vorhandene Infrastruktur im Libanon zerbrechen zu lassen. So annullierte Saudi-Arabien beispielsweise ein Hilfspaket in Höhe von 4 Milliarden US-Dollar, welches zum Aufbau der libanesischen Streitkräfte angedacht war. Der britische Journalist Robert Fisk, der in Beirut lebt und für den „Independent“ arbeitet, schrieb Anfang März: „Jetzt wo sich Saudi-Arabien im Bürgerkrieg in Jemen engagiert und ebenfalls drohte seine schlecht ausgebildeten, aber hoch bezahlten Soldaten nach Syrien zu senden, scheint es sich auch noch am Libanon zu rächen, für die Untreue und den Mangel an Dankbarkeit,  nach Jahren der Freizügigkeit.“

Kampfdrogen für Selbstmordattentäter

Zusammen mit anderen Golfstaaten hat Saudi-Arabien seinen Bürgern empfohlen nicht in den Libanon zu reisen. Saudischen Bürgern, die sich bereits im Libanon befanden, wurde nahegelegt das Land zu verlassen. Nach Ansicht der Saudis sei der Libanon eine Zentrale des Terrors.  Nicht unerwähnt bleiben sollte dabei auch die Tatsache, dass sich libanesische Sicherheitsbehörden im letzten Jahr trauten einen saudischen Prinzen am Flughafen von Beirut zu verhaften.

Der Prinz hatte versucht mit einem Privatjet große Mengen von Captagon-Benzedrin Pillen zu schmuggeln. Captagon wird auch „Kampfdroge“ genannt und wird gern von Selbstmordattentätern eingenommen. Vermutlich waren die Pillen für die prosaudischen Kämpfer im Jemen bestimmt. Der Prinz hatte auch Kokain dabei, wohl für den Eigengebrauch. Nach dem Vorfall erlosch die saudische Hilfe für den Libanon und der auch von den USA und Frankreich eingefädelte Waffendeal für die libanesische Armee platzte.

Somit bleibt nur die Hisbollah als militärische Kraft. Doch was passiert, wenn immer mehr Kämpfer des „IS“ in den Libanon einfallen, wenn die bereits im Land befindlichen Zellen und Gruppen zusammen „losschlagen“ und wenn beispielsweise Israel zeitgleich Angriffe gegen den Libanon durchführt? Es könnte sein, dass dann auch die Hisbollah nicht stark genug ist, die letzten Strukturen im Libanon zusammen zu halten. Ist das der Plan? Ein nicht mehr existierender Libanon läge auch im Interesse von US-Gedankenspielen und anderen Westmächten, schließlich sind es nur 30 Minuten Fahrt von Damaskus bis an die libanesische Grenze.  Der Libanon in den Händen des „IS“ ist daher nicht irgendein vages, schemenhaftes Szenario, sondern könnte schnell Realität werden.

Quellen:

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