Democratic Post

Kritische Texte und kontroverse Meinungen

International Politik: Afrika

Boko Haram: Die Terrormiliz verbreitet Angst und Schrecken in Nigeria

Die Terror-Miliz Boko Haram will einen islamischen Staat in Nigeria etablieren.

Die Terror-Miliz Boko Haram will einen islamischen Staat in Nigeria etablieren.

Kurz vor dem zweiten Jahrestag der Entführung von mehr als 200 Schulmädchen durch die Terrorgruppierung „Boko Haram“, weist UNICEF daraufhin, dass sich die Anzahl von Selbstmordattentaten durch Kinder in Nigeria und den Nachbarländern verzehnfacht hat. „Diese Kinder sind Opfer und nicht Täter!“ sagte der UNICEF-Regionaldirektor für West-und Zentralafrika, Manuel Fontaine. Es sei „ein besonders grausamer Aspekt der Gewalt“, Kinder zu täuschen und zu manipulieren, um sie zu solch tödlichen Angriffen zu bringen.

Dies betrifft vor allem die Situation in Nigeria, Kamerun, Tschad und Niger. Nach einer veröffentlichten Analyse des Kinderhilfswerks sprengten sich im vergangenen Jahr 44 Kinder in die Luft, im Jahr zuvor waren es 4. Mehr als drei Viertel der Selbstmordanschläge wurden von Mädchen verübt.

Anzeige

Boko Haram kämpft für Errichtung des islamischen Staats in Nigeria

Seit nunmehr 6 Jahren kämpft „Boko Haram“ im Nordosten Nigerias für die Errichtung eines islamischen Staats. Etwa 17.000 Menschen wurden in dem Konflikt bereits getötet, 2,5 Millionen flüchteten. Der skrupellose Einsatz von Kindern, die von der Terrormiliz zum Tragen der Sprengstoffgürtel überredet oder gezwungen werden, habe nach Angaben von UNICEF, in den betroffenen Ländern zu einer Atmosphäre der Angst und des Misstrauens geführt. Unter diesem Misstrauen leiden auch Mädchen, denen es gelang aus den Händen von Boko Haram zu entkommen, wo sie ihren Peinigern häufig schutzlos ausgeliefert waren, in einer Spirale der Gewalt und des sexuellen Missbrauchs.

So werden die Opfer nach ihrem Martyrium häufig als „Boko-Haram Frauen“ beschimpft und andere Frauen wollen mit ihnen dann nicht einmal die Wasserstelle teilen. Auch Kinder die nach Vergewaltigungen geboren werden, werden in Flüchtlingslagern und Dörfern häufig ausgegrenzt und stigmatisiert.

Opfer der Terror-Miliz werden oftmals ausgegrenzt

Zumindest von den damals in der Stadt Chibok aus einem Schlafsaal entführten Mädchen gibt es ein Lebenszeichen. Wenigstens einige von ihnen sind noch am Leben, das geht aus einem CNN Video hervor, auf dem einige Eltern ihre Töchter wieder erkannt haben. Das Video wurde von den Terroristen gedreht und dann Unterhändlern zugespielt. Es sollen Verhandlungen über die Freilassung geführt werden. Vermutlich wird ein entsprechendes Lösegeld gefordert. Boko Haram hat in den vergangen Jahren bereits Tausende Nigerianer in ihre Gewalt gebracht und seit dem Jahr 2009 mindestens 14.000 Menschen getötet, doch der Fall der entführten Mädchen aus Chibok brachte die Extremistenorganisation in den Fokus der Weltöffentlichkeit.

Sechs Monate nach den Mädchen von Chibok entführten die Islamisten etwa 300 Grundschüler aus der Stadt Damasak an der Grenze zum Niger, von denen es bis heute kein Lebenszeichen gibt. Weiterhin werden seitdem Mädchen und Frauen verschleppt, ganz ähnlich der Ideologie des „Islamischen Staates“, der die Versklavung andersgläubiger Frauen als religiöse Pflicht bezeichnet. Die Angaben schwanken. Laut Amnesty International sind mindestens 2000 Frauen und Mädchen in die Gefangenschaft der Islamisten geraten.

Weibliche Verwandte als Selbstmordattentäterinnen mißbraucht

Bezüglich der Selbstmordattentäterinnen gibt es auch andere Stimmen. Mausi Segun, eine Rechercheurin für die Organisation „Human Rights Watch“ in Nigeria, glaubt nicht, dass es sich bei den meisten Attentäterinnen um Ex-Geiseln handelt. Nach ihren Angaben seien es weibliche Verwandte von Boko-Haram-Mitgliedern, da im ländlichen Norden die meisten Frauen keine eigenen Entscheidungen über ihr Leben fällen würden. Ein Mädchen, was ebenfalls in letzter Minute vor einem Anschlag zurückschreckte, hatte ausgesagt, sie sei von ihrem Vater an Boko Haram „gespendet“ worden.

Anzeige

Weiblicher Widerstand wird brutal niedergeschlagen

Er habe ihr erklärt sie habe einen letzten Auftrag auf Erden auszuführen. Das Mädchen sagte, es habe sich wehren wollen, aber eine junge Frau die sich wehrte sei halb eingegraben und dann gesteinigt worden, darum habe sie schließlich zugestimmt. Hinzu kommen noch die Frauen, die genau wie die Männer aus religiösen Gründen oder aus politischer Motivation sich freiwillig zu den Selbstmordattentaten melden, ergänzte Segun ihre Ausführungen. Der Umgang des nigerianischen Militärs mit den Opfern ist zudem fragwürdig.

Wem es gelingt frei zu kommen, wird oft nach einem Verhör einfach am Straßenrand ausgesetzt oder in ein Flüchtlingslager gebracht. Wer sich zu seinem früheren Zuhause durchschlagen kann, findet das Heimatdorf oft in Schutt und Asche vor. Das Militär brennt oft ganze Dörfer und Häuser nieder, die mutmaßlichen Sympathisanten der Islamisten gehören. Auch die Terroristen hinterlassen meist nichts als verbrannte Erde.

Videos zum Thema:

https://youtu.be/hb-ArrPSuEI

Quellen:

Unicef, Human Rights Watch, Amnesty International, CNN, Focus-online, Zeit, Spiegel, Tagesschau.de, Süddeutsche, Deutsche Welle

Anzeige

Democratic Post unterstützen

Wenn Ihnen unser Artikel gefallen hat: Bitte unterstützen Sie diese Form des Journalismus.

Bitte wählen Sie:
Über den Autor
Martin Podlasly

Martin R. Podlasly, geb. 01.03.1966 in Hamburg, ehemaliger Polizeibeamter des Bundes und des Landes Hamburg. Veröffentlichungen diverser Publikationen, freier Autor

Druckversion
Webseite ausdrucken

Sorry, die Kommentare sind geschlossen.