Democratic Post

Kritische Texte und kontroverse Meinungen

Deutschland GDL-Bahn-Einigung

Fast ein ganzes Jahr lang Bahn-Streik. Jetzt rollen die Züge wieder!

Es ist vollbracht: Nach fast einem Jahr des Arbeitskampfes, neun Arbeitsniederlegungen und monatelangem Tauziehen haben sich Die Bahn-Vorstand und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) nun endlich einigen können. Ein Dank an die Schlichter, den früheren Ministerpräsidenten des Bundeslandes Brandenburg, Matthias Platzeck (SPD), und den amtierenden Ministerpräsidenten Thüringens, Bodo Ramelow (Die Linke), die dieses Wunder mit vollbracht haben.

Hätte man die Schlichter nicht schon früher einsetzen können?

Wieviel volkswirtschaftlicher Schaden entstand innerhalb der letzten knapp 12 Monate? Millionen oder Milliarden? Dieses Geld fehlt nicht nur den Arbeitsnehmern und Unternehmen, nein, auch der Fiskus kassiert dadurch weniger. Brauchen wir nicht jeden Cent, um zum Beispiel Griechenland-Bürgschaften einlösen zu können oder andere Sozialgelder bereitstellen zu können?

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Laut dem Online-Portal Welt.de wurden folgende Einigungen erzielt:

  1. Der Bahn-Vorstand, vertreten durch Ulrich Meyer, und der Chef der GDL-Gewerkschaft, Claus Weselsky, reden wieder miteinander.
  2. Es wurde ein 450 Seiten starkes Vertragswerk erstellt, dass ein Wiederaufflammen des Konfliktes verhindern soll.
  3. Die GDL hat mehr Einkommen und weniger Arbeitsbelastung für ihre Mitglieder erstritten. Sie darf zukünftig auch für die Lokrangierführer Tarifverträge abschließen, also für alle ihre Mitglieder unabhängig von der Berufsgruppe.
  4. Damit die Verhandlungsergebnisse zwischen Bahn und GDL nicht den Ergebnissen der kürzlich verhandelten Tarife der zweiten Gewerkschaft EVG widersprächen, saß ein Vertreter der EVG vorsichtshalber mit am Verhandlungstisch.
  5. Die Vertragslaufzeit des Gesamtpaketes endet 2020. Nur die Arbeitszeitenregelung endet zum 31.12.2018. Bis dahin herrscht Friedenspflicht bei den Eisenbahnern.
  6. Das Tarifeinheitsgesetz der Bundesregierung wird bei der Deutschen Bahn nicht umgesetzt. Darauf einigten sich GDL und Die Bahn in einem Grundsatzpapier. Es wird weiter zwei Gewerkschaften bei der Bahn AG geben – die EVG und die GDL. Allerdings wird es für eine Lohngruppe, egal bei welcher Gewerkschaft der einzelne Arbeiter oder Angestellt Mitglied ist, nur einen Tarifvertrag geben.

http://gty.im/472118342

Last but not least, hat Claus Weselsky gut Lachen. Er führte auf der ganzen Linie einen engagierten und unbeirrbaren Arbeitskampf und hat jetzt wichtige Ziele erreicht. Schließlich ist das auch ein gutes Recht einer jeden Gewerkschaft und eine ihrer Existenzberechtigungen. Sie ist ein unverzichtbares Instrument unserer sozialen Marktwirtschaft.

Unser aller Dank geht nochmals an die Schlichter, liebe Herren Platzeck und Ramelow! Ohne ihr Werk würden die Bahnstreiks noch bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag dauern, denn die Positionen waren derart verhärtet und die Verhandlungsführer beider Interessentengruppen steckten in einer Sackgasse.

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Dieses Jahr ist halt das deutsche Streikjahr.

Wenn es nicht die Eisenbahner, Piloten oder Fluglotsen sind, die kurz vor den Sommerferien, den Urlaubern das Leben schwer machen, dann sind es jetzt eben die Angestellten der Deutschen Post AG, die den Arbeitsalltag ordentlich einschränken.

Es lebe das deutsche Beamtentum! Der alte Fritz hatte sich schon etwas mehr bei der Installtion dieses Berufsstandes gedacht. Wir Deutschen sollten in Sachen Privatisierung wieder zurück rudern.

Nicht alles Alte war schlecht! In diesem Sinn: Gute Fahrt!

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Über den Autor
Nicole HahnHerausgeberin und Redakteurin

wurde 1962 in Hamburg geboren.
Sie gründete im Juli 2015 zusammen mit Andreas Hecht die Democratic Post und ist Mitglied der Redaktion.

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