Democratic Post

Kritische Texte und kontroverse Meinungen

Europa Athener Schuldendrama

Griechenland-Krise: Tsipras Brief düpiert erneut die Geldgeber

Griechenland-Krise: Tsipras Brief düpiert erneut die Geldgeber

© FrangiscoDer CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

Griechenlands Regierungschef machte einen erneuten Vorschlag. Doch leider können die EU und die Bundesregierung damit nicht viel anfangen. Als seriös kann auch dieser Vorschlag nicht eingeordnet werden. Die EU zeigt sich weiter verhandlungsbereit.

ATHEN/BRÜSSEL/BERLIN | Die fällig gewordene Rate an den Währungsfonds konnte durch Athen nicht bedient werden und das letzte Hilfspaket der Geldgeber ist längst aufgezehrt. Trotz dieser düsteren Vorzeichen suchen Athen, Brüssel und Berlin weiter nach einer machbaren Lösung in der Never-Ending-Story des Schuldendramas. Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras schrieb unlängst einen Brief an die Geldgeber und zeigte sich darin bereit, die vorrangigen Bedingungen der Gläubiger grundsätzlich erfüllen zu wollen.

Anzeige

Nach Ansicht von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist das aber noch keine Grundlage für eine Lösung der Krise. Schäuble stufte den Brief als »Wenig Klarheit verschaffend« ein. Für wirklich »seriöse Maßnahmen« würden die Ankündigungen nicht ausreichen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stellte klar, dass es keinerlei Verhandlungen über ein neues Hilfspaket vor dem für Sonntag geplanten Referendum gäbe.

EU weiter verhandlungsbereit

Auch die EU-Kommission reagierte sehr zurückhaltend auf den neuesten Vorschlag Athens. Durch die erheblich verschlechterte wirtschaftliche Situation Griechenlands werde jetzt nicht mehr über die Verlängerung des alten Rettungsplans gesprochen, sondern über ein Zwei-Jahres-Programm des Eurorettungsschirms ESM. Daraus hatte Tsipras am Dienstagabend einen 29-Milliarden-Euro-Kredit gefordert.

Die aktuellsten Vorschläge Athens könnten in die Verhandlungen für das neue Rettungsprogramm eingebracht werden. „Wir sind bereit zu verhandeln und zu einer Lösung zu kommen“, sagte der für den Euro verantwortliche Kommissar. „Dazu müssen sich beide Seiten konstruktiv verhalten.“ Die Kommission prüfe daher die jüngsten Zusagen und werde der Eurogruppe eine erste Einschätzung geben. Die Finanzminister der Eurostaaten wollen am späten Nachmittag in einer Telefonkonferenz über die Lage beraten.

Die Lage in Griechenland ist dramatisch

Anzeige

Die sich dramatisch zuspitzende Lage in Griechenland erforderte die Schließung der Banken und der Börse bis Anfang kommender Woche. Immer mehr verängstigte Bürger hatten in der letzten Zeit Bargeld abgehoben und dadurch die Banken in Schwierigkeiten gebracht. Seit Montag dürfen die Griechen an den Geldautomaten lediglich 60€ pro Tag abheben. Die Beschränkungen gelten jedoch nicht für ausländische Bankkarten.

Nur für Rentner

Geldinstitute im ganzen Land öffneten sich am Mittwoch nur für Rentner, da diese zumeist keine EC- oder Kreditkarte besitzen und daraus folgend nicht an Geld kamen. Die Geldhäuser kündigten allerdings erst spät an, dass Rentner und Pensionäre in alphabetischer Reihenfolge bedient werden würden. Daher kam es zwischenzeitlich laut griechischen Medien zu Tumulten.

Tsipras hatte am Wochenende überraschend eine Volksabstimmung über die Reformvorschläge der Gläubiger Griechenlands angekündigt und die Europartner so vor den Kopf gestoßen. Daraufhin scheiterten am Samstag die Verhandlungen der Euro-Finanzminister mit Athen.

Anzeige

Democratic Post unterstützen

Wenn Ihnen unser Artikel gefallen hat: Bitte unterstützen Sie diese Form des Journalismus.

Bitte wählen Sie:
Über den Autor
Andreas HechtHerausgeber und Redakteur

geboren 1968 in Bremen. Er gründete im Juli 2015 zusammen mit Nicole Hahn die Democratic Post und ist Mitglied der Redaktion. Journalistische Arbeit u.a. bei "Dr. Web Magazin", "NEOPresse" und "Huffington Post", nebenbei Autor mehrerer E-Books zu den Themen Lebenshilfe, Marketing und WordPress.

Druckversion
Webseite ausdrucken

Sorry, die Kommentare sind geschlossen.