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Meinung Griechenland-Krise

Griechenland: Wäre ein Grexit vielleicht doch das Beste?

Griechenland: Nun geht doch endlich aus dem Euro!

Das Referendum brachte den Willen Griechenlands zu Tage: Sie wollen nicht sparen und reformieren, sie wollen Geld ohne Gegenleistung. In Griechenland herrschen absurde Zustände, Vetternwirtschaft und Korruption. Die Regierung Tsipras besticht durch Rückwärtsgewandtheit und Arroganz. Wäre ein Grexit vielleicht doch das Beste?

Über fünf Monate verhandelten die Vertreter Europas mit Griechenland über Reformen und Kredite – ohne jedes Ergebnis. Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras ließ am vergangenen Sonntag die Griechen in einer Volksabstimmung Position beziehen, ob das Land die geforderten Sparmaßnahmen umsetzen soll. Das Ergebnis war ein eindeutiges Nein. Noch unklar ist, ob dieses „Nein“ die Griechen und den Rest von Europa in den Abgrund reißt.

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Am heutigen Tag spricht Kommissionspräsident Juncker bereits von einem Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone. Es werden erste Vorbereitungen für den Grexit – also dem Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone – getroffen. Auch die Staats- und Regierungschefs zeigen sich mittlerweile genervt von Griechenland und seiner Harakiri-Politik. Schockierend hingegen ist die Tatsache, dass viele Griechen in den Deutschen die Hauptverantwortlichen für die Krise sehen.

Wer die Politik der griechischen Koalition auch weiterhin für eine linke, sozialdemokratische Politik hält, für den ist auch Vetternwirtschaft, Rückwärtsgewandtheit und Arroganz ein Merkmal linker Politik. Bei näherem Hinsehen kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Steuerprivilegien der Oberschicht werden nicht angefasst, die Steuern auf Immobilienbesitz sind sogar gesenkt worden. Verhandlungen mit der Schweiz, die circa 15 Milliarden Schwarzgelder der Griechen versteckt hält, werden nicht weiter verfolgt. Das warum ist fast klar: Es ist einfach kein Geld mehr vorhanden, eine „Steuersünder-CD“ – wie es Deutschland mehrmals tat – zu kaufen. Oder: Es soll kein Geld dafür vorhanden sein, da Griechenland nicht im Traum daran denkt, etwas an der bisherigen Politik der Vetternwirtschaft und der Korruption zu ändern.

Auch in dieser Woche bleiben die Banken in Griechenland geschlossen und die Auszahlungen begrenzt. Die Einkaufsläden sind fast leer gekauft, da auch die Einzelhändler nicht mehr an ausreichendes Geld kommen, um die Regale zu füllen. An Geld zu kommen ist für die griechischen Bürger fast unmöglich, nur alle paar Tage dürfen sie 60 Euro abheben. Das Bargeld im Land wird langsam knapp.

https://youtu.be/FxBMZja-l0E

Der Überblick über die neuesten Ereignisse

Tsipras beantragte ein drittes Hilfspaket beim Euro-Rettungsfond ESM. Dieses soll nach Angaben aus EU-Kreisen über drei Jahre laufen. Die Europartner erwarten bis spätestens Donnerstag konkrete Vorschläge von der griechischen Regierung, wie ein Hilfsprogramm des Euro-Rettungsschirms ESM auszusehen hat. Bislang seien nicht einmal die Voraussetzungen für die Aufnahme von Verhandlungen über ein Rettungsprogramm des ESM gegeben.

Von griechischer Seite weiterhin nur „heiße Luft“

Am gestrigen Nachmittag tagten die Finanzminister der EU, doch Ministerpräsident Tsipras und sein neuer Finanzminister Euklides Tsakalotos hielten es nicht für nötig, mit einem konkreten schriftlichen Vorschlag zu erscheinen. Weiterhin gab es von Tsipras nur vage Angebote und eine Zusage, am heutigen Tag echte Zahlen und einen schriftlichen Plan zu liefern. Doch bis jetzt kommt – wie in den Monaten zuvor – nur heiße Luft aus Griechenland. Aufgrund des akuten Zeitdrucks wurden jedoch echte Ergebnisse in Form von Wirtschaftsreformen im Gegenzug für Kredite erwartet worden.

Als den EU-Finanzministern klar wurde, dass es kein schriftliches Angebot von Tsipras gab, reagierten die Minister mit Verärgerung und Frustration. Die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaitė sagte dazu: „Wissen Sie, es gab ein Versprechen für heute, dann versprechen sie für morgen. Für die griechische Regierung ist es jedes Mal mañana“.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker fand daher deutliche Worte und drohte Griechenland mit dem Ende der Eurozonen-Mitgliedschaft. Ein Grexit-Szenario sei detailliert vorbereitet, sagte Juncker. Er sei zwar dagegen, dass Griechenland die Euro-Zone verlasse, doch wenn Griechenland nicht tue, worum es gebeten wurde, dann ließe sich ein Austritt der Griechen nicht mehr verhindern. Griechenland habe daher bis Freitagmorgen um 08:30 Uhr Zeit, konkrete schriftliche Vorschläge zu unterbreiten. Das weitere Engagement der Europäischen Zentralbank (EZB) werde davon abhängen.

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Die Zustände in Griechenland sind absurd

Alexis Tsipras hat so vieles versprochen und nichts eingehalten. Zum Beispiel wollte seine Regierung mit dem Klientelismus brechen und die ausufernde Korruption bekämpfen. Vieles wollte er ändern, vor allem nicht mehr den öffentlichen Dienst und das Militär dazu missbrauchen, Günstlinge mit Jobs zu versorgen. Genau das Gegenteil trat ein, die Vetternwirtschaft blüht in nie gekannten Dimensionen. Tsipras‘ Tourismusministerin Elena Kountoura stellte ihren Bruder als „Berater“ ein, der Kulturminister Nikos Xydakis machte kurzerhand den Bruder einer ranghohen Parteifreundin zu seinem Büroleiter. Tsipras selbst beteiligte sich auch fleißig am Klientelismus und setzte seinen Bruder Giorgos Tsipras als Generalsekretär für internationale Wirtschaft im Außenministerium ein.

Die Mutter der Tsipras-Vertrauten und Parlamentspräsidentin Zoe Konstantopoulou (39), bekam noch bis 2013 Kindergeld für ihre Tochter.

Wer jetzt noch für seine Kritik am griechischen Regierungssystem und seinen „Regierungskaspern“ kritisiert wird, sollte die Kritik kalt lächelnd hinnehmen. Gegen diese Zustände ist selbst Italien ein vorbildlich regiertes Land. Die letzten Monate und die neuesten Ereignisse bestätigen die Vermutung, dass die Euro-Zone Griechenland ohne jede Gegenleistung unterstützen und gutes Geld schlechtem hinterher werfen soll.

Grexit oder doch nicht?

Viel wurde dieser Tage über einen Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone (Grexit) geschrieben und diskutiert. Das eine Lager behauptet, dass ein Grexit das Beste sei, was den Griechen passieren könnte. Das andere Lager wiederum sieht die größte anzunehmende Katastrophe darin. Das spannende an der Frage ist, wie ein solches Szenario wirklich aussehen würde und könnte.

Wirklich niemand kann hierzu eine gesicherte Aussage treffen, den ein Austritt aus der Euro-Zone war niemals angedacht und daher von den Verantwortlichen auch nicht durchdacht und schriftlich fixiert worden. An der Frage, was nach einem Austritt Griechenlands auf Europa und insbesondere Deutschland zukommt, scheitern auch Ökonomen und Staatschefs.

Sicher ist hierbei nur eines: Egal ob Griechenland im Euro bleibt oder nicht, es wird viel Geld kosten. Ein Grexit ist meiner Meinung nach das Beste, was Europa in dieser Situation passieren kann. Ich persönlich habe ein Problem damit, Griechenland weiterhin auf Euroland-Kosten durchzubringen, wenn diese es nicht für nötig halten, dringende Reformen durchzuführen. Denn irgendwann kommen die realen Zahlungen auf uns zu. Dann ist der deutsche Steuerzahler gefragt, dann geht es an des Deutschen liebstes Kind: Das Geld.

Geld sollte Griechenland nur gegen knallharte Reformen bekommen. Eine erste Reform könnte der Rücktritt der kompletten Regierung Tsipras sein, da mit dieser „Bananenregierung“ keinerlei Reformen und sinnbringende Verhandlungen möglich sind.

Ich fordere daher die Regierung Tsipras auf, ausnahmslos zurückzutreten und den Weg für richtige Politiker frei zu machen. Des Weiteren fordere ich einen Ausschluss Griechenlands aus dem Euro.

Selbstverständlich müssten wir in diesem Fall humanitäre Hilfen leisten. Ich weiß nicht, wie es ihnen geht, ich jedoch zahle lieber humanitäre Leistungen an das griechische Volk, anstatt griechische Banken zu retten.

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Über den Autor
Andreas HechtHerausgeber und Redakteur

geboren 1968 in Bremen. Er gründete im Juli 2015 zusammen mit Nicole Hahn die Democratic Post und ist Mitglied der Redaktion. Journalistische Arbeit u.a. bei "Dr. Web Magazin", "NEOPresse" und "Huffington Post", nebenbei Autor mehrerer E-Books zu den Themen Lebenshilfe, Marketing und WordPress.

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2 Kommentare

  1. Thomas schrieb :

    Letztendlich wurden jetzt die griechischen Banken geretten und vermutlich ist das ganze wieder nur eine Frage der Zeit, bis Griechenland oder auch ein anderes EU Land in dieselbe Situation kommt. Hier sollte grundsätzlich etwas geändert werden, damit so etwas in Zukunft nicht wieder passiert.

    • Andreas Hecht schrieb : Autor

      Hallo!

      Genau Deiner Meinung bin ich auch. Besonders mit dem Hintergrund, dass laut EU-Kommission nicht mehr
      soviel von Griechenland zu retten sein wird.

      Link: EU-Kommission: Griechenland ist nicht zu retten