Democratic Post

Kritische Texte und kontroverse Meinungen

Meinung Lösung für Migrationsproblem

Deutschland hat ein Migrationsproblem. Und so einfach kann man es lösen

Junge Flüchtlinge und Migranten

Die vergreiste Bevölkerung

Deutschland braucht Migranten, keine Frage. Die Debatte um Armutszuwanderer versperrt die Sicht auf die vielen positiven Auswirkungen, die Migration mit sich bringen kann. Ich sage bewusst kann, weil einiges anders angepackt werden müsste, damit unsere Gesellschaft wirklich Vorteile aus der Zuwanderung ziehen kann.

Zuwanderung kann mehr Wohlstand für uns alle bedeuten. Deutschland befindet sich in einer demografischen Falle, die Bevölkerung vergreist und die Sozialsysteme funktionieren schon lange nicht mehr. Der Ausspruch: „Unsere Renten sind sicher!“ stimmt ebenso wenig wie der Wetterbericht der nächsten drei Wochen. Der Ausweg aus der Misere kann auf kurze und mittlere Sicht nur eine bessere Integration der Zuwanderer sein. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge rechnet in diesem Jahr mit 300.000 Asylanträgen, das wären bereits die Hälfte mehr als in 2014. Doch wie holen wir das meiste aus den Migranten zu unserem Vorteil heraus? Kann es ein funktionierendes Konzept geben?

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Die Blue-Card, das unbekannte Wesen

Bereits seit längerem existiert ein Programm der Bundesregierung, welches sogenannte „gewünschte“ Zuwanderer ins Land holen sollte. Das „Blue Card“ (nach der US-Amerikanischen Green Card) genannte Programm ist allerdings ein totaler Reinfall, denn Deutschland ist für die gesuchten Berufsgruppen wie Mathematiker, Ärzte, IT-Fachkräfte, Naturwissenschaftler und Ingenieure nicht gerade ein Traumland. Die gezahlten Gehälter in Deutschland sind zum Teil wesentlich niedriger als in einem reinen Einwanderungsland, wie es die Vereinigten Staaten von Amerika sind.

Dazu kommt das Problem der Verständigung, denn viele Menschen in Deutschland – besonders auch in den Ämtern – sprechen kein Englisch. Doch das ist die Sprache der potentiellen Zuwanderer mit gesuchten Berufen. Hinzu kommt, dass qualifizierte akademische Ausbildungen aus anderen Ländern oftmals in Deutschland nicht anerkannt werden. Das führt dazu, dass hochqualifizierte ausländische Arbeitswillige Taxi fahren müssen, anstatt in ihren Berufen arbeiten zu können. Dem deutschen Sozialsystem gehen auf diese Weise etliche Einnahmen verloren.

Insgesamt sind die USA ein wesentlich attraktiveres Land für potentielle Einwanderer. Jeder, der dorthin geht, weiß, dass er für sein Geld arbeiten muss. Zudem sind die Gehälter für qualifizierte Berufe wie zum Beispiel Mediziner zum Teil wesentlich höher. Bleiben wir für ein Beispiel ruhig einmal bei der Berufsgruppe der Ärzte. Warum sollte ein junger Arzt aus einem Nicht-EU-Land nach Deutschland kommen?

Sicher nicht aus finanziellen Gründen. Wer als junger Arzt die Möglichkeit hat, und vor allem die nötige Qualifikation vorweisen kann, geht lieber in ein Land, in dem seine Fähigkeiten besser honoriert werden. Das gilt übrigens auch für deutsche Ärzte. Die Zahl der Ärzte, die in einem Jahr das Land verlassen ist daher seit langem konstant größer, als die Zahl der Ärzte, die ins Land kommen. Am beliebtesten sind dabei die Schweiz, wo Assistenzärzte im Schnitt auf 3.910 bis 6.220 Euro Monatsgehalt kommen, Großbritannien, wo Klinikärzte meist rund doppelt so hohe Bezüge wie hierzulande haben, und die USA, wo Assistenzärzte rund das Vierfache verdienen und Krankenhaus-Fachärzte auf ein Durchschnittsgehalt von mehr als 175.000 US$ pro Jahr kommen.

Knapp elf Euro verdient hierzulande ein junger Klinikarzt in der Stunde, das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ermittelt. Und die 2009 Euro Nettoverdienst, auf die er im Monat durchschnittlich kommt, müssen auch noch hart erarbeitet werden: Mit bis zu achtzig Wochenstunden Arbeitszeit, kurzzeitig befristeten Arbeitsverträgen und einer überbordenden Bürokratie.

In anderen Berufen ist es nicht anders. Es stehen viele zu besetzende Stellen offen, doch der Verdienst ist oftmals eher als Aufwandsentschädigung denn als Gehalt zu sehen.

Doch auch die Voraussetzungen für die Blue Card haben die Idee schon im Ansatz scheitern lassen, doch wir sind von unseren Politikern leider nur völligen, weltfernen Schwachsinn gewohnt.

Die Voraussetzungen für die Blue Card

Die Blue Card, auch Blaue Karte EU genannt. Migranten mit gesuchten Berufen

Die Blue Card, auch Blaue Karte EU genannt

Die Richtlinie 2009/50/EG gilt für hochqualifizierte Drittstaatsangehörige, die einen Antrag auf Zulassung in das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats stellen, um dort länger als drei Monate zu arbeiten.

Voraussetzungen für den Erhalt der Blue Card sind:

  1. das Vorliegen eines Arbeitsvertrags oder ein verbindliches Arbeitsplatzangebot für mindestens ein Jahr, mit einem Gehalt, das mindestens dem 1,5-fachen des durchschnittlichen Bruttojahresgehalts in dem betreffenden Mitgliedstaat entspricht.
  2. ein akademischer Abschluss oder eine mindestens fünfjährige einschlägige Berufserfahrung,
  3. der Nachweis einer Krankenversicherung und
  4. ein gültiges Reisedokument und ein gültiger Aufenthaltstitel oder ein nationales Visum für einen längerfristigen Aufenthalt.

Die Blue Card stellt ihre Inhaber sozial- und arbeitsrechtlich den Bürgern des Aufnahmelandes gleich und berechtigt zum Familiennachzug. Sie ist auf ein bis vier Jahre befristet mit der Möglichkeit der Verlängerung. Nach 18-monatigem Aufenthalt in dem Land kann der Karteninhaber beantragen, in einem anderen EU-Land seiner Wahl zu arbeiten. Das neue Zielland entscheidet, ob eine Arbeitserlaubnis ausgestellt oder verweigert wird. Nach fünf Jahren kann ein Blue-Card-Besitzer eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung erhalten.

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Bittsteller, statt umworbener Bewerber

Ein weiteres Problem ist die Arroganz des deutschen Systems. Auch sogenannte gewünschte Bewerber mit hochqualifizierter Ausbildung werden in Deutschland als Bittsteller behandelt, und nicht als erwünschter Bewerber auf eine dringend zu besetzende Stelle umworben. Wenn wir unsere Bewerber auf wichtige Mangelberufe von oben herab behandeln, werden wir sie nicht zum Bleiben bewegen können. In Deutschland darf zum Beispiel der Ehepartner nicht sofort mit Einwandern, sondern erst nach einer bestimmten Zeit nachgeholt werden.

Die Willkommenskultur fehlt uns Deutschen total

Andere Länder handhaben das vollkommen anders. Auch wenn nicht unbedingt ein gigantisches Gehalt gezahlt wird, so heißen Länder wie Großbritannien Bewerber mit gewünschten Berufen willkommen und schaffen eine „Wohlfühlatmosphäre“.

Denn britische Behörden helfen nicht nur bei dem Papierkram, sondern kümmern sich auch noch um einen Job für den Ehepartner, der sofort mit ins Land darf. Sogar ein Platz für die Kinder in einem speziellen „Sprachkindergarten“ wird vermittelt. Man erhält eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung und nach fünf Jahren die Möglichkeit, britischer Staatsbürger werden zu können. Das ist eine vorbildliche „Willkommenskultur“ und bringt die Einwanderer ins Land, die wirklich gewünscht und benötigt werden.

Doch auch die skandinavischen Länder sind mittlerweile vorbildliche Einwanderungsländer, trotz der großen Sprachbarriere. Während selbst hoch qualifizierte Einwanderer in Deutschland stets nur als „Gast“ und als geduldet angesehen werden, bemühen andere Staaten sich redlich, für diese Menschen ein neues Zuhause zu werden. Dazu gehören nicht nur eine „echte“ und vor allem unbefristete Aufenthaltsgenehmigung, sondern auch die Möglichkeit, nach überschaubarer Zeit und ohne großen Aufwand die Staatsbürgerschaft des neuen Landes anzunehmen.

Deutschland versteht sich immer noch selbst als Mittelpunkt der Welt, der eine magische Anziehungskraft auf jedermann ausübt. Doch dieses Selbstbildnis hat mit der Realität schon lange nichts mehr zu tun. Solange wir uns nicht klipp und klar als Einwanderungsland definieren und aktiv um Einwanderer werben, müssen wir uns nicht darüber wundern, dass hoch- und normalqualifizierte Menschen einen weiten Bogen um Deutschland machen.

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Über den Autor
Andreas HechtHerausgeber und Redakteur

geboren 1968 in Bremen. Er gründete im Juli 2015 zusammen mit Nicole Hahn die Democratic Post und ist Mitglied der Redaktion. Journalistische Arbeit u.a. bei "Dr. Web Magazin", "NEOPresse" und "Huffington Post", nebenbei Autor mehrerer E-Books zu den Themen Lebenshilfe, Marketing und WordPress.

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