Democratic Post

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Meinung #Deuxit für die Schulden-Krise

Ein Land sollte den Euro verlassen. Deutschland!

Deutschland raus aus dem Euro!

EU-Parlament in Brüssel

Angesichts der immer heftiger und teurer werdenden Schulden-Krise um Griechenland hält Finanzminister Schäuble den Grexit für eine gute Idee. Ein Ex-Direktor des IWF findet ebenfalls, dass ein Land dringend den Euro verlassen muss: Deutschland! Auch wir finden, dass es eine großartige Idee ist.

Dieser Vorschlag ist auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich, bringt für Deutschland jedoch nur Vorteile mit sich. Ashoka Mody – ehemals Direktor beim Internationalen Währungsfonds (IWF) mit Zuständigkeit für Europa – schaltete sich in die Debatte über die Zukunft der Eurozone ein. Angesichts des Dramas um Griechenland und der täglich höher werdenden Summen, die zur Rettung des Landes nötig sind, wäre es aus seiner Sicht das Beste für alle Beteiligten, wenn Deutschland – und nicht Griechenland – die Eurozone verlassen würde. Dies schreibt Mody in einem Beitrag für das Finanzportal Bloomberg View.

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Wir sprechen also von einem Deuxit, anstatt eines Grexit. Die Begründung zu der schon etwas gewagten These Modys liest sich wie folgt: Nach Wochen des Hin und Hers um Griechenlands Schulden gebe es trotz einer Einigung auf Reformpläne für Griechenland keine Gewinner. Griechenland würde dieselbe ökonomische Strategie fortführen, die bisher gescheitert sei. Und die Gläubiger würden wohl am Ende weniger von ihrem Geld wiedersehen, als mit einem Schuldenschnitt und einem Aufweichen der griechischen Sparpolitik, schreibt der Ökonom – seinerseits ein Gegner der Austeritätspolitik.

Hundert deutsche Mark. Dieses Geld war noch richtig viel wert.

Hundert deutsche Mark. Dieses Geld war noch richtig viel wert.

Wir Deutschen würden mit einem Schlag reicher werden

Der Ökonom Mody glaubt, dass ein eventuell doch noch nötiger Grexit die Griechen extrem hart träfe. Mit der neuen Währung wäre Griechenland wettbewerbsfähiger, müsste seine Schulden jedoch immer noch in Euro bedienen, was eine ungeheure Belastung für Griechenland darstellen würde. Der ökonomische Druck würde somit anhalten und womöglich andere Länder in Mitleidenschaft ziehen.

Die Lösung des Problems

Anstelle von Griechenland verlässt Deutschland den Euro und kehrt zur D-Mark zurück. Das ließe den Euro rapide sinken, glaubt der Wirtschaftswissenschaftler. Die wirtschaftlich angeschlagenen Länder in der Euro-Peripherie wie Griechenland, Portugal und Italien würden mit einem Schlag wettbewerbsfähiger werden. Für Deutschland hätte die Rückkehr zur allseits geliebten D-Mark eine Menge Vorteile, ist sich der an der US-amerikanischen Princeton-Universität als Gastprofessor im Fach Internationale Ökonomie lehrende Mody sicher. Er argumentiert folgendermaßen: Die D-Mark wäre im Vergleich zum Euro mehr wert – und Deutschland könnte mit derselben Geldmenge mehr Produkte und Dienstleistungen in der verbleibenden Eurozone und dem Rest der Welt einkaufen als bisher. „Die Deutschen würden mit einem Schlag reicher werden“, konstatiert Mody.

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Europa muss die Bande lockern, von der es zurzeit gefesselt wird

Die Bedenken, dass eine starke D-Mark die Wettbewerbsfähigkeit des exportorientierten Deutschlands schwächen könnte, sind nicht angebracht. Natürlich würde es vorübergehend einen leichten Rückgang der deutschen Exporte und des Exportüberschusses geben. Doch das käme der Weltwirtschaft zugute. Eine teure und starke D-Mark würde deutsche Firmen dazu animieren, ihre Produktivität zu verbessern. Denn auch zu D-Mark-Zeiten haben deutsche Firmen stets im Angesicht einer stetig im Wert steigenden Währung mit der Herstellung immer hochwertigerer Produkte reagiert.

Neben den wirtschaftlichen Vorteilen kann es auch zu einem großen politischen Gewinn in einem Deuxit-Szenario kommen. Die derzeitige Haltung Deutschlands als „Heerführer“ Europas, der für diese Rolle jedoch nicht die Kosten tragen möchte, wird Europa einen Bärendienst erweisen. Denn derzeit ist der Zusammenhalt des Kontinents mehr denn je infrage gestellt.

Europa muss dringend die Bande lockern, von der es gefesselt ist. Wir brauchen völlig neue Lösungen und sollten uns auch nicht als Hegemon Europas betrachten, denn diese Haltung ist gefährlich für das Ansehen Deutschlands. Als Frankreich in Nicolas Sarkozy noch ein starkes Staatsoberhaupt hatte, teilte sich Deutschland mit Frankreich die Rolle des Oberbefehlshabers – und das war gut so! Heute stehen wir allein an der Spitze und unser Land verliert immer mehr an Ansehen. Das muss dringend geändert werden.

Quelle:

BloombergView: Germany, Not Greece, Should Exit the Euro

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Über den Autor
Andreas HechtHerausgeber und Redakteur

geboren 1968 in Bremen. Er gründete im Juli 2015 zusammen mit Nicole Hahn die Democratic Post und ist Mitglied der Redaktion. Journalistische Arbeit u.a. bei "Dr. Web Magazin", "NEOPresse" und "Huffington Post", nebenbei Autor mehrerer E-Books zu den Themen Lebenshilfe, Marketing und WordPress.

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